Neues Jahr, Neues Glück – Teil 9 „Na also, geht doch!“

Es ist jetzt halb zwei in der Nacht.
Ich schiebe ne Nachtschicht, wohl wissend, dass nicht mal 100 m von mir entfernt er residiert.
Ich stelle mir vor, wie zwischen uns ein unsichtbares Band schwebt. Zwischen ihm und mir ist definitiv etwas. Ich kann aber nicht definieren was es ist. Und ich wage nicht zu hoffen das es ist, was ich mir wünsche. Dass er meine Art der Zuneigung für ihn, auch für mich empfindet.

Ich stelle die Tabletten für den Frühdienst bereit, als ich jemanden den Gang entlang schlurfen höre. Das ist allerdings nichts Ungewöhnliches. Die meisten Patienten auf der Station haben vierer-Zimmer. Das bedeutet, man kommt nicht zu seiner Nachtruhe. Man hört es Schnarchen, Pupsen, Husten, Stöhnen, Röcheln, Blubbern, im Schlaf quatschen, Betten quietschen.
Das Bad befindet sich im Zimmer. Manchmal hört man dann eben auch, wie Mit-Patienten mit Infusionsständer, im Dunkeln, die Enden der Betten oder Türpfosten übersehen, sich stoßen und flüsternd vor Schmerz, schimpfen und fluchen.

Wenigstens sind die Zimmer geschlechtlich aufgeteilt.
Nicht jeder kann zur Toilette gehen, sondern benötigt dann eine Urinflasche oder Bettpfanne, für größere Verrichtungen. Schon aus diesem Grund macht eine Geschlechtertrennung Sinn. Ich hätte wohl erstmal ne Verstopfung. Ich könnte nicht…vor anderen…naja und so weiter. Too Much Information aus der Kategorie „Dinge, über die die Welt nicht spricht“.

Wieder andere können auch einfach nicht schlafen, weil sie nicht zuhause sind – nicht ihr Bett, ihr Kopfkissen, Kuscheltier, ihre Matratze haben. Aber, wenn es einem wirklich schlecht geht, nimmt man das in Kauf.  Dann scheint es auch irgendwie nicht wirklich wichtig zu sein. Es ist nur nicht sehr förderlich für den Heilungsprozess, wenn man sich an solchen Sachen stört.

Schlimm ist auch, von anderen so dermaßen abhängig zu sein. Wenn man Hilfe von einer grummeligen Stationsschwester erhält ist es mehr eine Strafe als eine Hilfe. Naja, Herr von und zu Thore hat ja sein Einzelzimmer. Und ihn zu pflegen, darum reißen sich alle.
Ich bin den gestrigen Tag mit Absicht nicht drinnen gewesen. Habe immer meine Kollegin reingehen lassen.
Kann auch gut und gern darauf verzichten Tweety nochmal zu begegnen. Neben ihr fühle ich mich noch klobig, dick und hässlich. Sie ist eben sehr, sehr hübsch, zierlich und kleiner als ich.
Noch vor Kurzem hätte ich mich zurück gezogen. Eine andere Frau im Spiel? Nicht mit mir, ich konkurriere nicht. Entweder jemand findet mich und nur mich toll oder ich bin raus, aus dem Spiel.
Diese Einstellung möchte ich auch ändern.
Und: Vor allem werde ich nicht mehr einfach so kampflos klein beigeben. Ich fand das Kämpfen um einen Mann immer albern und würdelos. Wie ne Art Schlamm-Catchen.
Aber nun probiere ich etwas ganz Neues. Die „ich bin hier und ich bleibe hier, bis die Situation geklärt ist“ Strategie.
Allerdings muss ich das Turtelspiel auch nicht hautnah mit erleben. Ich weiß schon, wann man sich diskret, jedoch präsent und abwartend im Hintergrund bereithält. UND nicht, dass es hinterher im Kollegenkreis heißt, ich vermische Privates mit Beruflichem.
Wobei, auch egal, die ganze Station zerreißt sich eh schon das Maul über mich. Genauer über ihn und mich. Es wird wild spekuliert. Die Gespräche verstummen, sobald ich den Raum betrete. Das lässt mich allerdings kalt.
Für Lästerein bin ich nicht empfänglich. Ich bin auch kein Opfertyp. Ich bin glaub ich eher der Typ, der andere verunsichert. Deswegen würde sich auch niemand wirklich trauen etwas ernsthaft Böses gegen mich auszurichten. Egal ob Deutschland oder Österreich, geratscht wird hi wie da.

Nachts vermeide ich die Zimmer zu betreten, um den Patienten soviel Nachtruhe wie möglich zu gönnen.
Obwohl ich mich dabei erwische, mir krampfhaft einen Grund auszudenken, weshalb ich um diese Uhrzeit unbedingt sein Zimmer betreten muss. Aber eine Stimme in mir ruft mich immer wieder zur Vernunft. Ich sei hier um zu arbeiten und nicht um zu flirten. Das sei ansosnten Missbrauch von Schutzbefohlenen. Wobei ich garnicht weiß, ob das überhaupt stimmt. Zumindest hält es mich jetzt davon ab, sein Zimmer zu stürmen und ihn zu erobern. Ich lass es bleiben, rufe mich zur Vernunft und konzentriere mich wieder auf das Sortieren von Pillen unterschiedlichster Form, Farbe und Wirkung.

Die schlurfenden Schritte kommen näher. Das heißt, eigentlich schlurft nur ein Fuß, der andere setzt auf. Pock-schlurf-pock-schlurf…bleibt stehen. Ein Kopf lugt um die Ecke, ins Schwesternzimmer. Oh mein Gott, es ist ER!
„Atmen nicht vergssen, ruhig bleiben“ – gebe ich mir selbst als Regieanweisung. Man, er hat echt lange Beine. Ein Bein ist bis zum Knie gegipst. Darum also das schlurf-pock Geräusch.
Ich bin erschrocken und mache mir sofort Sorgen. Zugleich bin ich auch verunsichert. Wie immer, wenn ich in seiner Nähe bin. Souverän versuche ich mich in die Rolle meines Jobs einzufinden und reiße mich zusammen.

„Thore, was ist los? Kannst du nicht schlafen?“ frage ich, in der Hoffnung, er erwiderte „Ja, wegen dir. Du machst mich schlaflos“.
Er steht da mit seinem Krankenhaushemd in Blau. Die Blauen sind die großen Größen. Schließlich ist er ja groß. 1,90 m auf sicher.
Steht ihm gut die Farbe, denke ich so, während ich ihn weiter mustere. Seine muskolösen, langen Beine schauen nackig unter dem Hemd hervor. Selbst das gegipste Bein sieht sexy aus. An einem seiner großen Füße trägt er den weißen Krankenhaus-Schlappen.
„Nein, nicht sexy.“ versuche ich mir einzureden, damit mein Hirn meinem autonomen Nervensystem mitteilen kann, weniger Speichel zu produzieren. Sonst fühle ich mich gleich schon wieder wie der Schäferhund von Pawlow.
„Also jetzt finde schon etwas an ihm, dass total doof ist.“ treibt mich mein innerer Kritiker an, damit ich ihm normal und auf Augenhöhe begegnen kann. Ok, los geht’s – Entwertungsphase Stufe I
Hat grad ein bisschen was vom Schlumpf. Er wäre dann ein tapsiger Muskelschlumpf, mit Klumpfuß. Nein, schlümpfe sind niedlich. Das geht so nicht.
Das geht noch besser. Ok.
Stufe II
Aber irgendwie erinnert er mich dann doch eher an einen dummen Troll, mit seinen langsamen, ungelenken, schwankenden Bewegungen. Ein Troll, wie aus einem Harry Potter Film, sabbernd und mit grünem Popelschleim aus der Nase hängend, seine Trollkeule schwingend.
Keule? Apropos Keule. Hach jaaaa,seine Oberschenkel…dumdidum, gerate ich schon wieder ins Schwärmen.
„Nein! Dumm, Popelschleim, Trottel, sabbernd.“ fauche ich mich selber zur Räson.
Sich jemanden madig zu machen, den man so hyper toll findet, ist eine gute Strategie, damit man wenigstens noch einen Funken Stolz und Haltung bewahren kann.
Selbstaufwertung durch Abwertung des anderen. Nicht wirklich souverän, aber nicht weniger effektiv. Aber auch gefährlich.
Man muss aufpassen, dass man den Stop- Knopf findet.
Ließe man dieses Programm nicht laufen, würde man wohl Gefahr laufen sich prompt, sobald der angebetete den Raum betritt, wie ein Fußabtreter vor seine Füße zu werfen.

Den Beutel für die Wundflüssigkeit hält er in der einen, das Ende des Schlauches, der eigentlich in seiner OP Wunde liegen sollte, in der anderen Hand.

„Sollte das nicht hier drin sein? Ist es schlimm, dass es draußen ist? Ich hab mich umgedreht und merkte, dass der Schlauch rausrutschte.“
Er deutet auf seine OP Wunde und das Schlauchende. Wie hilflos er wirkt. Ich genieße seine Hilflosigkeit etwas, zugegeben. Ich glaube, ich fühle mich ihm deswegen unterlegen, weil ich seinen „sexuellen Marktwert“ höher einschätze als meinen. Hinzu kommt dann noch die Komplikation seines Ruhms. Das erschwert einiges. Zumindest für mich. Das steigert irgendwie seinen Marktwert.
Ruhm.
Damals, als ich  fünf oder sechs war, sah ich den Film „Fame“ und ab da wollte ich berühmt werden. Ich wollte auch auf eine solche Schule gehen, wo man singt, musiziert und Schauspiel lernt.
Dann, interessanterweise kurz nach diesem Schlüsselerlebnis, kam eine Castingcrew von der Sesamstraße in unsere Schule.
Ich kam in die Castingrunde, in der zwei Mädchen mit Inge Meisel eine Szene hatten.
Ich wurde nicht genommen.
Dieses Erlebnis der Ablehnung hat mich entmutigt und ich zog mich in mein Einsielder-Krebs Häuschen zurück. Beleidigt, dass die Welt mich für nicht talentiert hielt. Zumindest, was das Schauspiel anging.

Heute hingegen bin ich froh, dass es mit dem Ruhm bei mir nichts wurde. Da stelle ich mir schon die eine oder andere Situation unangenehm vor.
Missgeschicke, die einem passieren, vor der Öffentlichkeit ausgebreitet. Oder auch Lügen, die verbreitet werden. Oder, dass alte Geheimnisse ausgeschlachtet werden. Oder, man läuft nicht top gestylt durch die Gegend und es wird gleich ein psychisches Problem vermutet. Die Leute kennen einen nicht. Sie glauben jedoch einen zu kennen weil sie mal ein Interview von einem lasen. Sie wollen, dass man so ist wie sie es sich vortsllen. Kleine Abweichungen werden heute sofort mit shitstorms bestraft. Das ist die Kehrseite die der Ruhm mit sich bringt. Wenn ich Millionen verdienen würde, wäre mir das dann vielleicht auch egal. Da würde dann der Preis, ok sein. Denn es mögen einen ja eh nie alle Menschen. Und was schert es mich, dass die Leute mich beschimpfen, wenn ich gut davon leben kann. Aber nichts zu verdienen und sich von den Leuten trotzdem beschimpfen zu lassen und sich dem nicht entziehen zu können? Heikel. Mit so einer Masse von Menschen, die einen dann ungerechtfertigt kritisieren?
Nicht einfach. Allerdings, ist der Ruf erst ruiniert…Ein Hoch auf Justin Bieber.
Aber nun bin ja nicht ICH diejenige die eigenständig im Rampenlicht steht. Er ist es ja, der mit seinem Paket „Ruhm“ daher kommt.
DAS ist ja noch schlimmer! „Hier kommt die FREUNDIN VON!“, würden sie sagen.
Aber darüber muss ich mir ja keine Sorgen machen. Denn wie wir Frauen jetzt alle wissen, spätestens seit dem Film „Er steht einfach nicht auf dich“, hätte Thore das schon längst deutlich gezeigt, würde er meine offensichtlichen Gefühle erwidern. Obwohl- waren sie denn tatsächlich so offensichtlich? Trage ich nicht meinen Teil dazu bei, dass ich mich meist in der friendzone befinde und nicht die Angebetete bin? Es muss etwas mit mir zutun haben. Mit meinen Signalen, die ich sende.

Das Schlimmste ist eigentlich, dass Thore durch diesen Ruhm eine übermenschliche Dimension annimmt, die mir zu groß erscheint. Überdurchschnittlich toll und ohne Fehler, wie ein Gott. Wie Thor. Aber was mache ich mir n Kopf? Ich würde ein Leben an seiner Seite eh nicht wollen. Zu verschieden.
In einem Buch von Bas Kast hieß es mal – sinngemäß – dass für eine gute, langanhaltende Beziehung Gemeinsamkeiten der Garant seien. Forschungsergebnisse zeigten wohl, dass man einander besser verstehe, wenn man Dinge wie z.B. Berufsfeld, bis hin zu ethischen Vorstellungen gemein hat. Dadurch, dass man einander so besser verstehen kann, fühle man sich nah. Und diese Nähe sei wohl entscheidend.
Gegensätze seien zwar interessant aber eben nicht von Dauer. Natürlich gäbe es auch hier einige Ausnahmen.

Tja, gegensätzlicher könnten wir zwei wohl kaum sein. ABER, ich wollte ja positiv denken. Ich will ja der Schmied meines Glückes sein und mein Glück nicht mehr dem Zufall und meinem depressiven Hang überlassen. Will mich nicht mehr, wie damals als kleines Kind, bei jeder Zurückweisung gleich in mein Häuschen zurückziehen. Ich werde zum frontal Angriff übergehen. Jawohl!

Ich werde von ihm, aus meinem Gedankenkarussell gerissen.

„Also? Ist es nun schlimm, dass der Schlauch sich gelöst hat?“ fragt er mich und wedelt dabei mit dem Schlauch, der eben noch in ihm drin steckte, vor meiner Nase herum.
Ich verzog meine Mine und zog meinen Kopf zurück, als wedele er mit einem Regenwurm vor meiner Nase herum.
Ich schließe die Tür des Schwesternzimmers und ziehe die Jalousie zu.
Als ich mir Latexhandschuhe überziehe, schnalzt das Gummie. Thore schaut jetzt, wie ein kleines verängstigtes Kind.
„Keine Angst, ich schau nur. Darf ich?“ frage ich ihn überlegen lächelnd.
Ich deute an, dass ich als nächstes sein Hemd beiseite nehmen muss, um mir die Wunde anzusehen.

„Ja. Äh ja klar.“ stammelt er herum. Er schaut starr und stocksteif an die Wand.
Ich beuge mich vornüber. In die Knie wollt ich nun nicht gehen. Das würde zuviele Assoziationen wecken, bei mir zumindest.
Scheiß was auf Rücken schonendes Arbeiten.
Aber SO kann ich mir das nicht wirklich genau angucken.
Nun gehe ich doch in die Hocke.
Nun sieht er doch zu mir herunter.
Als ich so vor ihm hocke und vorsichtig sein Hemd beiseite streife, entgeht mir nicht, dass sich auf seinen Unterarmen Gänsehaut bildet. Sofort starrt er wieder an die Wand. Ich starre auf seine Wunde. Ich fixiere sie an, damit mein Blick nicht über seine restlich freigelegte Körperlandschaft wandert. Ich muss mich zusammenreißen.
Wie sanft seine Haut aussieht.

Ich versuche mich auf seine Wunde zu konzentrieren und mich nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Schließlich steht er jetzt fast entblößt vor mir. Ich atme tief ein und puste die Luft wieder heraus. Als mein Luftstrahl seine Haut erreicht, stellen sich seine Haare erneut auf. Es ist ganz still im Raum. Ich höre ihn tief und schnell einatmen, fast als zucke er zusammen. Er schluckt, als ich mit meinen Fingern vorsichtig die Haut um die Wunde abtaste.
Schade, dass ich Handschuhe trage.
Wieder denke ich an die pawlow’sche Glocke. Diesmal bin nicht ich der sabbernde Hund.
Langsam beginne ich Spaß an der Situation zu haben.
Und sollte in diesem Moment jemand vorbeikommen, könnte schon allein diese Pose einen falschen Eindruck hinterlassen, mache ich mir Sorgen. Schnell lass ich das Hemd los, bis es wieder in Gänze seinen stark gewölbten Hüftmuskel bedeckt. Ich richte mich auf und grinse ihn künstlich breit an.
„Ne, doch -alles gut. Brauchste nicht mehr tragen. Siehst gut aus.“ verhaspel ich mich „ich mein, die Wunde. Die Wunde sieht gut aus.“ korrigiere ich mich, während mein Gesicht erleuchtet wie eine Tomate.
„Ich werde jetzt noch mal kurz die restlichen Fäden entfernen.“ lasse ich ihn beiläufig wissen.
Das war nur ein Vorwand, denn die Fäden würden sich auch von allein auflösen. Aber das weiß er ja nicht.

Ich bitte ihn also auf die Untersuchungsliege. Ich fühle mich verwegen, ihn so auszutricksen. Ob das jetzt wohl schon unter Missbrauch fällt?,
frage ich mich, während ich ihn bitte sein Hemd beiseite zu schieben.
„Wird das wehtun?“ fragt er mit wackeliger Stimme. Seine Augen sind weit aufgerissen.
„Was für ne Memme“, denke ich so bei mir und fühle mich nun noch überlegener.
„Nein, das wird nur ein bisschen kitzeln“ beruhige ich ihn sanft lächelnd.
Als ich so die wenigen Fäden vorsichtig aus seiner elastischen Haut herausziehe, kommt mir in Bewusstsein, was ich hier grad tue.
Ich nutze seine Unwissenheit aus, nur um ihn erneut in eine hilflose Position zu bringen.

„Tut mir Leid, dass ich mich nicht gemeldet hab, aber es kam mir etwas dazwischen.“
Sagt er, während ich sachlich den Faden aus ihm heraushole.
-welch kuriose Stuation, das glaubt mir kein Mensch, was mir hier grad passiert. Mir fällt es ja auch schwer, es als real zu erfassen.

„Offensichtlich“ gebe ich erheitert wieder, erfreut darüber dass er es anspricht. Scheint ein verlässlicher Typ zu sein und vor allem konfliktfähig!
Die meisten Männer tun ja so, als wäre nichts passiert. Nach dem Motto „wenn man so tut als wär´nichts, ist auch nichts“.
Noch ein Grund mehr, ihn zu mögen.

Nein. Er soll nicht so nett zu mir sein. Dann kann ich mich nicht beherrschen. Männer, die sich einfühlen können. Gift. Wie ein Zuckerschock für einen Diabetiker.

„Und gestern“ zögert er, „gestern war ich nicht auf der Höhe“. Spaßt er herum.
„Meine Schwester hat mir erzählt, dass ich gestern total daneben war.“
„Ach, so schlimm war das garnicht. Es gibt viele, die Narkosemittel nicht vertragen“
MOOOOMENT! Hat er gerade „Schwester“ gesagt???
Bin ich ein Trottel. Jetzt komm ICH mir vor wie ein dummer Troll. Aber woher hätt ich es wissen sollen? Ich lese halt keine Klatschblätter. Jetzt, im Nachhinein fällt mir die Ähnlichkeit der beiden auf.
Ich freue mich einen Kullerkeks – innerlich. Um mir meine Gedanken nicht anmerken zu lassen, lenke ich das Thema nun auf seine Verletzung.
Was ist denn überhaupt passiert?“ frage ich nun doch neugierig nach.

Auf dem Einweisungsbericht stand nur, dass er sich mit einem Skimobil angelegt hatte und anhand seiner OP Narbe weiß ich, dass er an der Leiste operiert wurde. Und, dass er eine Fraktur, also einen Bruch am Schienbein hat. Is klar, das ist auch so ziemlich die einzige Stelle seines Körper, die nicht von Muskeln bedeckt ist. Im Prinzip erzählt er mir jetzt genau das gleiche, nur etwas anschaulicher. Und wie dann der Rettungshubschrauber kam, weil die Retter auf Ski nicht durchkamen zu ihm.
Während er gerade sehr ernsthaft von seinem Erlebnis berichtet, schweifen meine Gedanken schon wieder ab.

Mir fällt grad ein, dass ich eigentlich nicht auf muskolöse Typen stehe. Ist alles so hart.
Ein weiterer Punkt, den ich mir madig machen kann. Zum ansehen finde ich seine Muskelportion gut. Obwohl mir die Arme schon fast zuviel haben. Aber ich will mal nicht so sein. Ich bin mal tolerant.
Wir müssten uns entgegen kommen. Mich stört nicht seine Muskelportion zuviel und ihn nicht meine Speckportion zuviel.

„Meine Hütte ist ja eher etwas schwierig zu erreichen, wie du weißt. Nach dem Schneesturm war die Spur verweht und ich kam mit dem Mobil vom Weg ab.“
„Aha“,
„So, fertig.“
„War garnicht schlimm“, sagt er fast stolz und mit leuchtenden Augen.
„Naja und dann“ führt er weiter aufgeregt aus „Dann hab ich versucht es wieder in die Bahn zu bringen und aufzustellen. War doch schwerer, als ich dachte.“, lachte er verlegen.

Zumindest signalisiert er mir dass ich sowas wie eine nette Bekannte für ihn bin. Das ist doch schonmal was.

Er tut mir gut. Wenn ich in seiner Nähe bin geht es mit gut, rede ich mir selbst ein.
„Hattest du soviel zutun, oder keine Lust mich in meinem Zimmer zu besuchen?“ fragt er jetzt einfach so, ganz unverblümt.
„Ich ähm, ich wollte dir deine Ruhe lassen.“ druckse ich herum. „So ein Quatsch! Du störst mich doch nicht. Du bist eine willkommene Abwechslung.“ gibt er lachend zurück.

Wie meint er das? Bin ich jetzt der Lückenfüller für seine Schwester? Oder bin ich hier sein Animateur?
Fast als habe er meine Gedanken gehört, fügt er etwas ernster hinzu „Ich habe dich gern um mich.“
Mein Herz, das hört man jetzt vermutlich bis nach Timbuktu schlagen. So stark bringen mich seine paar Worte dazu, dass mein Herz so kräftig das Blut durch meine Gefäße pumpt,
dass sie sich ganz gewiss sichtbar heben und senken. Ich kann es spüren, wie ich erröte und es ist mir peinlich.
Hektisch ziehe ich die Jalousie wieder hoch und öffne die Türe des Schwesternzimmers, in der Hoffnung, es nimmt ein wenig die Intimität und die gefährliche, Sehnsucht weckende Nähe, die ich hier grad spüre.

„Lass es Sara. Hör auf über zu über zu bewerten. Freunde, ja ok. Aber mehr wird nicht draus.“ sage ich zu mir selbst-entmutigend.

Ich vertrete ja die Harry und Sally These. Mann und Frau können nicht befreundet sein. Es ist einfach so, dass ich mich dem Menschen so sehr nah fühle, dass ich in ihn hineinkriechen will. Mit Frauenfreundschaften passiert das bei mir nicht, weil ich nicht lesbisch bin. Wäre ich es, steckte ich in dem selben Dilemma, nur in Lila. Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll. Von ihm und mir. Ich weiß nun, dass Tweety seine Schwester ist. Sie hat sich gleich aufgemacht aus Schweden, als sie hörte, was ihm passiert ist.

Ich bin froh, dass sie nur seine Schwester ist. ES hätte mir das Herz gebrochen, wäre es seine Freundin. Seine Liebste. Und wenn ich mir DAS vorstelle, dass er eine Freundin hat und wir zu dritt etwas unternehmen. Ich als seine gute Freundin eine Kumpel-Frau-Freundin, er und seine Liebste, seine Auserwählte, seine Prinzessin. Seine persönliche Königin von Schweden. Wenn ich mir vor Augen führe, wie es mir damit ginge, muss ich mir eingestehen, dass ich doch schon mehr für ihn empfinde, als mir lieb ist. Klar ist auch, dass es nicht nur sexuelle Anziehung ist. Wobei die derzeit extrem ist. Liegt aber nicht an ihm. Liegt mehr an meinen Hormonen. Eisprung. Wenn ein Ei springt fühle ich mich wie ne Katze sich fühlen muss. Rollig. Es bremst mich lediglich mein Verstand und hält mich davon ab, wie eine rollige Katze des Nachts umher zu streunen. Mein Maunzen echohaft in der Stille der Nacht durch die Gassen raunen zu lassen und mit meinem Hintern hin und her zu wedeln. Vielleicht sollte ich mich sterilisieren lassen. dann hab ich das Problem nicht mehr.

Es ist ein wirklich lästiges Problem, einmal im Monat. Wie ein Teenager unterliege ich dann der Flut an Hormonen, die mich fast im Griff haben. Fast so sehr, dass ich mich jetzt, da Thore so hilflos vor mir steht, beinahe vergessen könnte. Völlig kopflos laufe ich die Wege auf Arbeit, im Supermarkt oder zuhause dann doppelt, weil es mir in diesen Momenten an Konzentration mangelt. Ich bin dann vergesslich, wie ein an Demenz Erkrankter im zweiten Stadium.

„Hallo?!“ sagt er lächelnd, von unten hochschauend, meinen unfokussierten, verträumten Blick einfangend. Mich aus meiner Gedankenspirale herausholend, mit dem Schlauch in der Hand wedelnd.

„äh ja, sorry.“ verlegen lasse ich mich durch seinen Blick in den rechten Fokus rücken. Ich schaue mir den Beutel an und stelle fest, dass kaum Wundflüssigkeit enthalten ist. Das ist ein gutes Zeichen. Ich darf die Entscheidung nicht allein treffen, weil ich hier nur Praktikantin bin, aber ich würde sagen, die Drainage brauchst du nicht mehr.“

„Darf ich?“ frage ich ihn, während ich sein Hemd in der Bauchhöhe zögerlich zur Seite schiebe.

„Sure.“ antwortet er – als sei es ihm peinlich, dass er nicht selbst darauf kam, mir die betreffende Stelle zu zeigen. Fast erstarrt steht er da. Er hält die Luft an. Seine frische Narbe zieht sich entlang der Leisten und Bauchfalte. Naja also da, wo die meisten Menschen eine Falte haben. Bei ihm allerdings besteht die einzige Unebenheit darin, dass sich der äußere Muskel der Hüfte vorne entlangwölbt. Ich muss ein wenig lachen und erinnere ihn Luft zu holen „breathe“.

Er saugt die Luft hörbar ein, dass sein Bauch ganz dick wird. Wir müssen beide lachen. Schmerzferzerrt guckt er jetzt, weil die Narbe beim Lachen schon wehtut. „Nicht lachen“, ermahne ich ihn im Spaß.
Das bringt ihn noch mehr zum lachen. Er hält sich den Bauch.
Ich bin heimlich froh, dass wir jetzt lachen. Denn die Situation wurde mir schon zu brenzlig – zu intim. Unprofessionell intim.
Wir schlendern fast romantisch den Flur entlang bis zu seiner Zimmertüre, gerade so als würde ich ihn nachhause gebracht haben. Er bleibt stehen, ohne sie zu öffnen. Es entsteht wieder eine unkomfortable Stille.
Das ist in Spielfilmen immer der Moment, wo einer den anderen noch auf einen Kaffee mit hinein bittet.
„Na dann ruh dich mal aus und schlaf gut“ wünsche ich ihm lächelnd, jedoch mit distanziertem Ausdruck. So, als hätte ich auch jeden anderen x-beliebigen Patienten meinen können.

Sein Gesicht verzieht sich zu einer enttäuschten Mine, so erscheint es mir. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein. Meiner Wahrnehmung kann ich derzeit nicht trauen. So sehr Körperdroge verseucht, wie mein Hirn
derzeit ist. Verliebt eben; mein ganz persönlicher Verliebtheitscocktail aus Serotonin, Adrenalin, Oxitozin und was weiß ich noch so alles für unbekannte, körpereigene Substanzen.
Ich drehe mich auf dem Absatz um und mache kehrt.
Nüchtern, fachlich korrekt, distanziert.

Ich höre nicht, dass er seine Tür schon geöffnet hat. Steht er etwa immernoch da davor? War ich zu hart? Fühlt er sich jetzt abgelehnt? Verarscht? War ich ZU distanziert?
Vermutlich schon. „Dreh dich jetzt bloß nicht um, nicht umdrehen.“ hämmert mein Verstand im Kopf.
Ich drehe mich um. Er steht noch da, öffnet gerade seine Zimmertüre. Auch er dreht sich nochmal um, während er ins Zimmer geht.
Ich winke ihm zu und lächle.
„Das hättest du nicht tun sollen! Jetzt fühlt er sich als etwas besonderes. Aus der Nummer kommst du nur wieder schwer bis garnicht raus.“ meckert mein Verstand mit mir.
Ich habe bisher immer, wenn ich hätte eindeutig zugeneigte Zeichen geben sollen, die kalte Schulter gezeigt. Weit hat es mich nicht gebracht.

Da, er lächelt zurück und macht eine coole, wedelnde Handbewegung.
DAS ist der Beweis! Es war richtig etwas zu riskieren. Raus aus der Comfortzone.

Es ist ein neues Jahr und es ist richtig, dass ich mich mal anders verhalte und auch in der Liebe etwas riskiere. Für die Liebe lohnt es sich immer, ein Risiko einzugehen.
Und wenn ich dann tief stürze, weil er mir doch einen Korb gibt, dann hab ich es wenigstens versucht!
„Also, lieber Verstand: Wie Dieter Nuhr schon sagte: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“
Zufrieden laufe ich den Flur entlang, zurück zum Schwesternzimmer. „NA ALSO GEHT DOCH!“, gröhlt mein inneres Kind, das sich
gerade wie ein aufmüpfiger, jubelnder Teenager anfühlt.

Mein Handy vibriert.
Sms. Ganz altmodisch.
„Hey Schöne Schwester, kommen sie mich morgen gern besuchen, ich würde mich freuen.
Mr. T.“
Mein Herz pocht, alles dreht sich. Er findet mich schön. Ich hoffe, er meint es nicht nur so als daher gesagten Spruch. Aber hierbei verlass ich mich auf meine Menschenkenntnis, die mir sagt SO EINER ist er nicht. Er ist kein So-daher-Sager.

„We will see Mr. T.
for right now würde ich Ihnen etwas schlaf verordnen;)“

Ich höre das Piepsen seines Handys als er meine sms empfing.
Dünne Wände hat es hier – denke ich so, während ich fast schwebend und ein wenig selbstgefällig meiner Arbeit weiter nachgehe. Wirkliche Konzentration bekomme ich jedoch in dieser restlichen Dienstzeit kaum noch zustande.

 

 

 

Neues Jahr, Neues Glück – Teil 8 „Kotzen, Küssen oder Kaffee?“

Fast vier Tage ist es nun her, dass Thore und ich zusammen frühstückten. Diese Zeit fühlt sich an wie ein paar Wochen. Ach, was sag´ich, MONATE. Naja, wie eine halbe Ewigkeit. Das Schlimmste ist für mich immer die Ungewissheit. Nicht zu wissen, woran man ist, ist anstrengender als einfach nur einen Korb zu bekommen. Es fühlt sich an, als sei man ein Zombie. Einer, dessen einziger Antrieb und Lebensinhalt darin besteht, nur in der Nähe des Opfers umher zu kreisen. Halb verhungert, mit großem Appettit auf das Herz, das Hirn und die Seele des Geliebten, die Kreise immer kleiner ziehen – wie ein Raubtier auf der Jagd nach seiner Beute.

Schon in dieser Zeit neige ich dazu, mich gefühlsmäßig an die Person zu binden. Da kann ich erstmal nichts dafür. In meiner frühkindlichen Entwicklung, genauer, der oralen Phase, wurden meine Bedürfnisse nicht adäquat befriedigt. Seitdem besteht bei mir eine Fixierungssucht. Kann ich diese nicht in Form menschlicher Zuneigung stillen, kompensiere ich eben durch orale Fixierung. Damit ist jetzt nicht das gemeint, was einem zu oral meist als erstes einfällt, is klar! In meinem Fall ist es das Essen. Das Essen ist immer da, wenn ich es brauche. Es hält immer, was es verspricht. Zumindest für den Moment. Bis zu dem Zeitpunkt, da einem kotzübel wird und der Bauch wehtut. Der Moment, wenn man in eine Schnappatmung verfällt, wie ein Goldfisch in einem zu kleinen, veralgten Glas ohne Sauerstoff. Und das nur, weil der Magen so voll gestopft ist, dass er den Lungen den Platz zum atmen nimmt. Wenn man sich mal bewusst macht, dass der Magen eines Erwachsenen im Prinzip nur ein Fassungsvermögen von 500ml hat, und wie man diesen Wert als Esssüchtiger ständig überschreitet, kann man sich ausrechnen, wie belastend das für den gesamten Körper ist. Abgesehen von den Fettmassen, die man evtl. zusätzlich  mit sich herumtragen muss. Angesichts dieser Tatsache und der, des Spottes der Gesellschaft, finde ich es immer wieder erstaunlich, wie leidensfähig Menschen sein können.

Thore hingegen hat einen wirklich schönen Körper und seitdem ich an meinem arbeite, habe ich auch ein anderes Verhältnis zu ihm – also zu meinem Körper. Obwohl…vielleicht auch zu Thore, zu Männern überhaupt. Es verunsichert mich, plötzlich wieder interessant für die Männerwelt zu sein. Ich weiß garncht mehr, wie ich mit deren Reaktionen auf mich umgehen soll. Ich glaube, das wusste ich noch nie. Thore wirkt  zufrieden in seinem Körper. Er erzählte mir, dass er neulich ein Interview in einer Fernsehshow gab. Natürlich wurde er auf diverse Nacktszenen angesprochen, für die er kein Bodydouble verwendet. Selbstverständlich habe ich dieses Interview gegoogelt und mir auf YouTube reingezogen und zwar nicht nur einmal. Nein, immer und immer wieder. Der Talkmaster unterstellte ihm fast schon, als sei es etwas schlimmes, stolz auf seinen Körper zu sein. Thore hingegen blieb ganz ruhig und bezeichnete es eher als ein Wohlgefühl in dem eigenen Körper. Er fühle sich in seinem Körper wohl. Würde ich auch, sähe ich so aus.  Er ist selbst in Interviews irgendwie gelassen. Aber nicht nur das. Er ist auch lustig. Er kann auch über sich selbst lachen. Das macht ihn noch anziehender. Von ihm geht ein starker Sog auf die Damenwelt aus.

Wenn ich jetzt krampfig werde oder in Konkurrenz zu anderen Frauen gehe, werde ich definitiv der Verlierer sein. Weil ich dann nur noch von Eifersucht getrieben bin und vor allem deshalb, weil es immer eine Frau gibt, die hübscher oder interessanter ist als man selbst. Ich muss eben einfach so sein, wie ich bin. Und ICH bin diejenige, der er seine Handynummer gab. Entweder es funkt, oder eben nicht. Das ist dann eben auch so, würde meine Mutter jetzt sagen. Eifersucht. Eine weitere Sucht, die alles kaputt machen kann, bevor es begonnen hat. Ich merke aber, wie ich versuche, unser beider Begegnung  das „schicksalsträchtig“ Siegel auf zu drücken.

Alles in meinem Erleben, je nach Tageslaune, spricht dafür oder dagegen. Er liebt mich, er liebt mich nicht. Wie die Blütenblätter, die man ausrupft und es so deichselt, dass das letzte Blatt ein „er liebt mich“ wird. Oder die Billardkugel, die man solange schüttelt, bis sie „Yes“ anzeigt. Alles soll dafür sprechen und meine Hoffnung füttern. Wie in Goethes´ Leiden des jungen Werthers , wo Werther es als Fügung sieht und die gemeinsame Vorliebe für den Dichter Kloppstock als Beweis dafür nimmt, dass sie zusammen gehören, trotzdem sie in einer Beziehung ist – wohlgemerkt. Das Unerreichbare scheint oft so anziehend.

Ähnlich wie der Werther, neige ich dazu, mir ein Lied als DAS Lied auszusuchen, das wir in der Zeit des Zusammenseins beiläufig hörten. Wird es dann im Radio gespielt, ist es ein Zeichen. Je öfter es gespielt wird, desto größer ist die Chance, dass das Schicksal  einen wirklich meint und persönlich mit einem redet “ Ja, das ist er und er liebt dich, wie du ihn. Als Beweis dafür spiele ich dir euer Lied.“

Man erkennt es schon an den ersten paar Takten und beginnt sofort wie ein Breitmaulfrosch leicht dümmlich zu grinsen. Man geht nicht mehr einfach nur den Gang entlang, sondern federt. Jeder noch so ätzender Umstand, Stress oder Ärger wird übergossen mit rosafarbenen zähflüssigem Zuckerguss, sodass sich alles irgendwie nur noch schön anfühlt und süß. Alles ist dann garnicht mehr so schlimm. Die Hormone des Glücks regieren das Hirn nun in gänze und wirken wie eine Droge. Jeder Mann, in den ich verliebt war, war wie meine Droge und ihn an mich zu binden, bisher immer mein verwegener Plan.

Das doofe an einer Droge jedoch ist, dass man nie und zwar wirklich NIEMALS davon genug haben kann. Verschafft mir ein Mann nicht mehr die Wirkung, bin ich geneigt mich wieder zu lösen aus der Verbindung. Und mir ein neues Subjekt zu suchen, das die Gefühle in mir auslöst, nach denen ich süchtig bin. Im Prinzip betreibe ich Missbrauch. Ok, der andere kann ja nein sagen. Aber man sollte nicht die Manipulationsfähigkeit einer Frau unterschätzen.

Das alles ähnelt sehr einem bulimischen Fressanfall. Will man schnell ein Opfer finden, begibt man sich in eine Internet Singlebörse. Hier sieht man sich die Fotos der Männer, wie Wurstscheiben in der Supermarkt-Fleischauslage an. Man sucht sich nach ungefährem Geschmack einen aus. Kurzer Blick auf den Steckbrief. Und mit dem verlockenden Angebot des schnellen unverbindlichen, sprich unkompliziertem Sex, gehen einem einige schnell in die Falle.

„Hallo?“ beantworte ich enttäuscht den Anruf meiner Mutter. Sie ruft mich auf meinem Handy an. Manno, ich dachte es sei er. Nach einem geglückten Abwimmelversuch fahre ich mit meinem Gedankenmonolog weiter fort.

Ja im Prinzip kann man sagen, ich konsumiere Männer wie Lebensmittel. Also konsumierte, muss ich ja sagen. Weil ich es ja jetzt alles anders machen will. Ich habe ein halbes Leben so zugebracht. Glücklicher machte es mich nicht. Das Wissen darum allein half mir auch nicht. Wie eine Beziehung geht, kann ich ja nur lernen, wenn ich mich auch in eine begebe und somit heraus komme aus meiner selbst verordneten Schutzhaft, genannt „Isolation“. Ob ich mich dabei vor den Männern schützen wollte, oder die Männer vor mir. Oder ob ich mich letztlich vor mir selbst schützen wollte, kann ich garnicht so genau sagen. Aber ich habe verstanden, wie kurz das Leben ist und ich habe beschlossen, bestimmte Lektionen nicht wiederholen zu wollen/müssen. Und dies ist nicht einfach nur eine Plattitüde.

Gedanken getrieben hetze ich den Krankenhausgang entlang. Überhaupt bin ich hier immer die einzige, die am hetzen ist. Alle anderen haben die Ruhe weg. Vielleicht wäre ich in der Notaufnahme doch besser aufgehoben. DA rennen selbst die Österreicher. Hatte ich denn jetzt die Kurven alle schon abgearbeitet? Ich prüfe es lieber nochmal nach. Kurven nennt man in der Krankenhaussprache die Patientenakten. Hier ordnet der Arzt Dinge an, die ich dann umsetzen muss.

Durch meinen Beruf habe ich bereits  mehrere Menschen im Sterbeprozess, bis zum letzten Moment begleiten dürfen. Diese Situationen sind für einen selbst so grenzerfahrend, wenn man sich darauf einlässt. Sie führen einem so sehr vor Augen, was wichtig ist. Nämlich WIE ich mein Leben gelebt habe ist entscheidend, ob ich in Frieden oder im Todeskampf aus diesem Leben gehe. Elisabeth Kübler-Ross hat meine Erkenntnis in einem ihrer letzten Interviews bestätigt. Ich strebe eine ähnliche Haltung in der Liebe an. Aber letztlich kommt ja doch immer alles anders als man denkt und letztlich ist das Fleisch auch immer wieder schwach, da kann der Geist noch so willig sein. Und im Verdrängen sind wir Menschen ja eh meisterhaft, denn das passiert immer wieder automatisch und unbewusst, wenn ich nicht bewusst dafür sorge, dass bestimmte Inhalte in meinem Bewusstsein bleiben.

So habe ich es zum Beispiel geschafft drei Jahre lang vegan und nun noch vegetarisch zu leben. Zu Weihnachten allerdings packte mich die Fleischeslust und ich versuchte ganz bewusst diese Bilder der leidenden Tiere aus meinem Kopf zu verbannen, als ich vor einer Dönerbude stand. Es war wirklich schwer. Dieser Kampf kostete mich soviel psychische Energie (von der wir laut S. Freud nur eine begrenzte Menge zur Verfügung haben), dass ich erstmal schlafen gehen musste, nachdem ich den Döner verspeist hatte.

Hier hatte ich jetzt aber die Büchse der Pandora geöffnet und ich verfiel in einen regelrechten ca. zwei monatelangen Rausch. Schon während des Fleisch Kaufens konnte ich meine Gedanken dabei beobachten, wie sie entschuldigende Rechtfertigungen oder ent-emotionalisierte Rationalisierungen aus dem Hut zauberten.

„Das Tier ist doch jetzt sowieso schon tot. So kannst du seinen Tod wenigstens noch in einen guten Zweck verwandeln, wenn du es jetzt isst. Es ist gestorben, um dich zu nähren. Das ist ein ganz natürlicher Prozess.“

„Aber ich möchte die Quälerei nicht unterstützen und mit der Kaufkraft des Konsumenten bestimme ich das Angebot mit.“

„Wenn du es nicht isst, wird es weggeschmissen. Es ist doch jetzt schon herunter gesetzt, weil es bald abgelaufen ist. Dann ist das Tier umsonst gestorben. Außerdem ist der Mensch nun mal ein Allesfresser. Das ist nur natürlich.“, usw.

Thore isst Fleisch. Ich weiß garnicht, wie ich das finde und ob ich damit umgehen kann. Immerhin bin ich ja aus moralischen und nicht aus gesundheitlichen Gründen Vegetarier. Und ich weiß garnicht, ob es so gut ist, wenn die Moral so sehr auseinander geht. Aber ich habe mich mit ihm über das Thema noch nicht unterhalten und weiß garnicht genau, wie seine Einstellung dazu so ist.

Aber auch ich bin mal rückfällig geworden. Ich will ja nicht moralisierend in der Gegend herumlaufen. Ich wünsche mir nur einfach, dass die Werte meines Liebsten den meinen ähneln. So kann ich mir z.B. auch niemals eine Beziehung mit einem rechts-radikal gesinnten vorstellen.
Es gelang mir in diesen zwei Monaten des Fleischessens nicht in Gänze mein Gewissen, dass ich drei Jahre zuvor müßig aus dem Würgegriff des Verdrängungsmechanismus befreien musste, mundtot zu argumentieren. Es blieb bei der Verknüpfung von Bildern und Gefühlen mit einer Sache, die ich mir in den ersten Monaten meines Veganer Daseins antrainierte. Ich bildete im Prinzip neue Schaltkreise. Immer, wenn ich ein Stück Fleisch sehe, passiert es automatisch, dass ich das Tier sehe. Damit verbunden, entstehen sofort Bilder des Tieres in Massentierhaltung. Bilder des Tieres wie es um sein Leben kämpft, nicht versteht, was mit ihm passiert und warum es so schlimm und unwürdig behandelt wird und sich letztlich dem, von Menschen auferlegten Schicksal in Resignation beugt.
Diese Bilder produzieren in mir entsprechendes Mitgefühl. Der Grad zwischen mitfühlen und mitleiden ist schmal! Manchmal machen mich diese Bilder auch fertig. Dann muss ich die Hochspannung des Schaltkreies, wie mit ´nem Dimmschalter runter regulieren. Aber eben nicht so weit, dass ich die Tatsache des Tierleids wieder erfolgreich verdrängen kann.

Damit habe ich mir selbst bewiesen, dass ich in der Lage bin, meine Überzeugungen zu ändern und somit, mich anders zu verhalten. Zwar auch wieder ferngesteuert, also vom eigenen Hirn, aber eben halbwegs selbstbestimmt ferngesteuert. Zwar gibt es immer mal wieder kleine Rückfälle, aber anerkennend, dass auch ich nur ein Mensch bin, verurteile ich mich dafür nicht mehr.

Wenn ich eines im Philosophie Unterricht lernte, dann, dass der Mensch determinierter ist, als ihm das lieb ist. So merke ich auch, wenn ich an Thore denke, dieses Ziehen der Sucht nach Liebesrausch. Vielleicht sogar nach Drama. Ob ich dem wirklich standhalten kann und will, weiß ich nicht. Ich weiß nur, ich möchte endlich mal entspannt sein, in der Nähe eines Mannes. Ihn irgendwie maßvoll lieben, wenn das irgendwie geht. Allerdings muss ich mich ja auch schon aus meinem Schneckenhäuschen wagen und ihm zeigen, dass ich daran interessiert bin, ihn näher kennenzulernen.

Nachdem Thore und ich einen wunderschönen und auch sehr lustigen Morgen, mit Frühstück im Bett verbrachten, gingen unsere Wege wieder auseinander. Er war hier, um sich auf seinen neuen Job vorzubereiten, seine neue Rolle. Das heißt, er muss sich ein bisschen zurückziehen und auf sich und die Rolle konzentrieren. Hab ich ja gewusst. Jahrelange Beziehungsmuster werde ich nicht ändern können. IMMERNOCH steh ich auf Männer, die irgendwie nicht erreichbar sind. Maaaaan! Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich dieser Zombie bin. Dieser Liebeshungrige Zombie, der unstillbaren Hunger hat. Das würde bedeuten, dass ich mir nicht immer nur Männer aussuche, die sich nicht wirklich einbringen. Sondern, das würde bedeuten, dass kein einziger meinem Bedürfnis nach Nähe permanent gerecht werden kann.

Was allerdings diesmal anders und positiv läuft, ist seine Ankündigung.  Das heißt, ich mache Fortschritte in der Wahl meiner Männer. Er kündigt an, nicht verfügbar oder ansprechbar zu sein, für die nächsten Tage. Und ER macht den Vorschlag Nummern auszutauschen. Allerdings fällt es mir schon schwer seine Freundlichkeit und Offenheit zu deuten. Bin ich für ihn lediglich eine Art Kumpel oder nimmt er mich doch schon auch auf der Mann/Frau Ebene wahr?

Seine Handynummer zu haben, ist für mich, wie für den Esel die Möhre vor der Nase zu haben. Die Möhre an der Angel, die mich in Bewegung hält, in der Hoffnung, ich erreiche sie doch noch. Naja eine kleine sms schadet doch nichts. What´s App benutzt er nicht. Er ist auch sonst in keinen Social Media Plattformen unterwegs. Eigentlich ganz vernünftig, wenn man in der Öffentlichkeit steht, glaub ich. Ach ne, lieber doch nicht. Soll er sich lieber melden. Ich will nicht anhänglich wirken, auch wenn ich es verspüre – den Drang mich an seine Lippen zu heften, zum Beispiel. Ich will ihn nicht überfordern oder verschrecken. Er wirkt manchmal auch, wie ein Reh, das leicht zu erschrecken ist und dann wegrennt, obwohl man es doch nur streicheln wollte. Aber für ein Reh würde es eine Zähmung durch den Menschen bedeuten. Und wir alle kennen die Geschichte des kleinen Prinzen.

Ne, also jetzt versuche ich, mal wieder etwas runter zu kommen. Fixierung ist scheiße, weil man dann so Stalker-ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Vor allem völlig die Realität verzerrt. Naja Realität ist eh relativ. Ich weiß. Und doch, es ist wichtig, dass ich jetzt nicht ganz so hoch fliege, sonst wird der Fall echt tief. Bis ins Erdkern-Innere oder so.

Es ging unerwartet kontaktarm weiter. Warum suche ich mir denn eigentlich immer Männer aus, die unverbindlich bleiben? Männer, die entweder örtlich nicht verfügbar sind, mich aber total überschwänglich und zeitraubend auf allen möglichen Social Media Wegen lieben wollen. Oder welche, die neben mir sitzen aber sich emotional am anderen Ende des Äquators befinden. Ich kenne die Antwort auf die Frage schon. Es hat etwas mit der Kindheit und mit der Rolle meines Vaters zu tun. Natürlich. Aber bringt mich das Wissen um die Antwort auf meine Frage weiter lieber Dr. Freud?

Ich wende mich von der Psychoanalyse ab und dem Kognitivismus zu. Martin Seligman hatte ja mal ein Buch heraus gebracht mit dem Titel „Pessimisten küsst man nicht, Optimismus kann man lernen“. Das würde ein viel besserer Weg sein, um über meine tiefe Vertrauenskluft zu Männern eine Brücke zu bauen, auf der ich ihnen ohne Sicherungsgurt begegnen kann.

Aber auch das ist müßig, denn vom Unbewussten wird man weitaus mehr beeinflusst in seinem Denken, als man sich als Mensch mit Verstand eingestehen will. Gedanken können sich gut oder schlecht anfühlen. Der Kognitivismus hilft einem im Prinzip ja nur, das Denken zu ändern. Und dadurch tiefe Überzeugungen aufzuweichen, bis sie sich verändert haben. Solange an seinem Denken herum zu feilen, bis man alles nicht mehr mit einer Dramaqueen-Brille beurteilt, ist mein Ziel. Ich las ja auch mal, dass man nicht immer das selbe tun und andere Ergebnisse erwarten kann. Will ich was anders haben, muss was anders machen. Aus diesem Grund bin ich ja hier.

Thore hat diese Leichtigkeit. Das zieht mich einerseits an. Andererseits turnt es auch ab, weil er vielleicht dazu neigt, Dinge, Situationen oder Menschen nicht so ernst zu nehmen. Ich bin wütend, enttäuscht und traurig. Ich fühle mich abgelehnt, weil er sich nach unseren tollen paar Stunden, die wir miteinander hatten, nicht mehr bei mir meldete. Wenn er es auch so schön fand wie ich, dann würde er sich schon gemeldet haben. Vielleicht habe ich auf ihn anstrengend, kompliziert oder abstoßend gewirkt?

„Sara, Zimmer acht, frisch aus dem OP, benötigt eine Nierenschale. Der Stationsarzt hat bei ihm MCP Tropfen gegen Übelkeit angesetzt. Und ermittle bitte die Schmerzskala bei ihm.“

Hier auf der akuten Inneren geht es mitunter turbulent zu. Natürlich nicht so schlimm wie in der Notaufnahme. Jetzt klingelt es aus Zimmer acht schon wieder. Leider kam mir Zimmer drei dazwischen. Die Zeit hier in der Unfallklinik des Skiortes ist wirklich lehrreich. Die Menschen sind hier auch in Notsituationen viel gelassener als in der deutschen Hauptstadt. Außerdem kann man hier wirklich allehand komplizierte Brüche sehen. Man glaubt garnicht, was Menschen auf zwei Brettern, oder einem Brett manchmal anstellen. Bei manchen Verletzungen habe ich mich schon gefragt, wie er oder sie das hin bekam.

Aus dem Zimmer acht kommen grad zwei kichernde Mädels der Putzkolonne. Wahrscheinlich fänden Männer die beiden total süß. So kindliche Frauen, hager und mager, leicht und beschwingt. Verspielt irgendwie. Ich werde immer eher dem mütterlichen Typ Frau zugeschrieben. Wenn ich DAS höre, werde ich meist aggressiv. Innerlich. Ich bin zwar gut darin, mich um Menschen und deren Belange zu kümmern, aber ob ich das wirklich gerne mache und ob mir das wirklich gut tut, wage ich manches Mal zu bezweifeln. Und setzt ein Mann diese Eigenschaft bei mir voraus, nur aufgrund meines Äußeren oder meiner Berufswahl, werde ich echt ungehalten. Meist verhalte ich mich dann mit Absicht besonders rücksichtslos und hole mein verbales Samurai heraus, um ihn im Wortgefecht nieder zu metzeln. Einfach nur, damit er nicht auf weitere dumme Gedanken kommt. Gedanken wie, ich solle ihm doch bitte sagen, wo seine Socken liegen oder welches Hemd er zu welcher Hose anziehen soll. Um sich dann, von mir gut gestylt, von anderen Frauen Bestätigung zu holen. Einer, der danach nachhause kommt, sich ins gemütliche Nest meiner geschaffenen Geborgenheit kuschelt um mich dann zu fragen, was es denn heute zu essen gibt und ob ich ihm ein Bier aus der Küche holen könne.
Ich klinge bitter? Finde ich nicht. Ich klinge realistisch. Desillusioniert. Allerdings lebte es sich in meinen juvenilen Beziehungs-Sandschlössern unbeschwerter. Dingen auf den Grund zu gehen kann eben auch wehtun. Darum wird Alice im Wunderland wohl gefragt, wie tief sie in den Hasenbau gehen will.

Während ich Alexandras Song „Illusionen“ summe und Zimmer acht betrete, stockt mir der Atem und ich verstumme. 1) weil mir eine Duftwolke von Erbrochenem entgegen fliegt und b) weil der Patient in Zimmer acht offensichtlich Thore ist, der sich gerade die Seele aus dem Leib kotzt.

Sofort laufe ich los und organisiere eine Nierenschale, die ich leider vergessen hatte, schusselig, wie ich manches Mal bin. Während ich im Eilschritt den langen Stationsflur entlangschliddere und mir unterwegs noch ein paar Zellstofftücher und Einmalhandschuhe organisiere, überschlagen sich meine Gedanken.

Ich hab ihm so Unrecht getan. Vielleicht hätte er sich bei mir gemeldet. Konnte er aber nicht, weil er hier liegt. Was ist ihm passiert? Offensichtlich musste er operiert werden und reagiert mit Übelkeit auf die nachlassende Narkose.

Deswegen kicherten die Putzfeen so. Weil ER hier ist. Oh man, ob ich meine Professionalität wahren kann? Ich fühle mich in leichtem Schock Zustand. Ich handle wie ein Roboter. Klopfe an der Zimmertüre erneut an, als ich das Zimmer betrete. Halte ihm die Nierenschale, als er sich zur Seite beugt, weil er sich erneut übergeben muss. Er befindet sich derzeit noch im Dämmerzustand. Wirkt desorientiert. Seine Augen fallen ihm sofort wieder zu, als er seinen Oberkörper erschöpft wieder ins Kissen sinken lässt.

Ich lege auf die Pfütze auf dem Boden den Zellstoff, befeuchte einen Waschlappen und wische ihm den Mund ab und tupfe ihn danach trocken. Hier muss dringend frische Luft rein. Ich kippe das Fenster an.

Wie schwach und verletzlich er aussieht, wie er da so liegt. Schutzlos ausgeliefert, nur dämmernd bei Bewusstsein. So ein starker, großer Mann. Er sieht grad ganz klein aus. Ich muss ihn etwas aufwecken, damit er zu sich kommt. Im Dämmerzustand ist die Gefahr des Verschluckens zu groß.

„Thore“ flüstere ich seinen Namen sachte, genauso sachte, wie meine Berührung seiner Schulter. Er reagiert nur wenig „Hm?“ fragt er verschlafen nach. Wir dürfen ja unsere Patienten eigentlich nicht duzen.

Nagut, härtere Geschütze. “ Hallo Schlafmütze! Einmal wach werden bitte!“ sage ich ihm etwas schroffer und kühler. Es klingt wenig mitfühlend und genauso unnachgiebig rüttele ich nun seine Schulter. Er kommt zu sich und lächelt.

„Hej sarrrraaaa you´re so great.“ lallt Thore. Klingt fast besoffen. Er bekommt die Lippen kaum auseinander und die Augen kaum auf.

„Ich hab hier etwas gegen die Übelkeit. Wenn du das trinkst, dann geht es dir gleich besser.“

Er muss aufschlucken und guckt nun schmerzverzerrt. „Hast du Schmerzen?“

„Nein, wenn du da bist geht es mir gut“ sagt er auf Deutsch. „Ahh“ stöhnt er nun doch schmerzerfüllt.

Ich besorge dir gleich ein Schmerzmittel. Ich wundere mich über sein Deutsch. Er kann kaum sprechen und haut hier Deutsch raus.

„Kannst du den Becher selber halten?“

„Jadå.“ spricht er nun wieder auf Schwedisch und schläft wieder weg. Irgendwie auch süß, wie er so rumlallt.

„Hallooooo, bleib mal wach, hier trink mal bitte.“ Ich stütze seinen Kopf etwas hoch, damit er weiß, was ich von ihm will und setze den Becher an seine Lippen. „Soooooo und jetzt mal trinken, bitte.“

Während sich seine Augen müde etwas nach hinten rollen, lallt er er brabbelnd „I really like you Sasa.“ und lächelt dabei. Meinte er jetzt mich? Vielleicht kennt er ja eine Sasa, so wie Sasa Gabor und verwechselt mich aufgrund seiner Verwirrung. Kann ich mich jetzt freuen, dass er mich meinte, oder betrachte ich es wertfrei, weil er mein Patient ist und er außerdem auch nicht mich gemeint haben könnte?

Ich beschließe mich darüber zu freuen und seine Aussage auf mich zu beziehen. DAS war besser als jeder Song, der plötzlich im Radio gespielt wird. Mein Magen hüpft, mein Herz auch und ich glaub, ich auch.

Während ich ihm seine Schmerztropfen organisiere frage ich mich immernoch, weswegen er hier liegt. Ich fühle mich ihm gerade eigenartig überlegen, aber auch nah. Ich bin doch schon ganz schön souverän, muss ich feststellen. Garnicht mehr so unsicher bzw. verunsichert, das sich dann in Kleinkindgehabe inklusive quietschender klein Mädchen-Stimme.
Naja ok, er liegt jetzt auch etwas wehrlos und nicht Herr seiner Sinne, mir ausgeliefert in seinem Bett. Ist ja klar, dass ich grad die federführende bin.

Ich schicke die Reinigungskraft erneut in sein Zimmer, damit sie nochmal durch wischen. „Gern doch“ gibt sie kichernd wider. Diesmal schicke ich allerdings nicht eine dieser Hühner herein sondern die Bodenständige, sich der Rente annähernde Berta. Ich muss ihm meine potenzielle Konkurrenz nicht geradewegs in die Arme schubsen. Ihrem Kichern entnehme ich, dass sich die Nachricht, durch wen Zimmer acht belegt ist, herumsprach.

Ich muss mir unbedingt seine Patientenakte durchlesen.

Ein hübsches junges Mädel quatscht mich auf dem Weg zu seinem Zimmer an und fragt mich auf gebrochenem Deutsch, ob ich eine Blumenvase habe. Niedlich. Muss ich neidlos anerkennen. Die Aussprache klingt so niedlich und maaaan, es gibt aber auch echt hübsche Frauen. Schon wieder beginne ich zu kategorisieren und reihe mich ein in einer Liga unter ihr ein. Aber genau dieses blöde private Sara-Klassendenken will ich ja los werden. Aussehen ist nicht alles und außerdem Geschmackssache. Ich glaub, was ich so schön an ihr fand, war ihre Art. Sie wirkt so nett und sympathisch, dass man gleich in ihren Bann gezogen wird und beginnt, glücklich zurück zu strahlen. Als hätte ich gerade in der Lotterie gewonnen, grinse ich.  Normalerweise vergleiche ich mich in meiner überwiegenden Stimmung eher mit Grumpy Cat. Wäre ich ein Tier, wäre ich Grumpy Cat, oder Angry Bird. Sie hingegen wirkt eher wie Tweety. Ein sympatisches, süßes, pfiffiges Vögelchen.

„Schwester Sara, möchten Sie gleich einer Gastroskopie beiwohnen?“ fragte mich der diensthabende Arzt und lenkte mich somit von meiner Blumenvasen Mission ab. Ach und das Schmerzmittel muss ich noch organisieren. „Klar bin ich mit von der Partie, bei ´ner Gastro, was ne Frage, Dr. Gruber“ gab ich kodderig zurück. Ich hatte hier ja eh den Status eines Piefkes, also konnte ich mich auch dem Ruf entsprechend benehmen. Wir lachen beide.

Hier besteht eine weniger Steile Hierarchie als in Deutschland, in den meisten Krankenhäusern.

Freudig summend husche ich zurück zu Thore´s Zimmer, vergaß vor lauter Freude anzuklopfen, riss die Tür auf und was ich jetzt sah ließ mich, wie von Medusa angeblickt, versteinern.

Tweety saß an Thore´s Bett, hielt seine Hand. Beide lehnten ihre Köpfe an der Stirn des anderen. Es sah nach sehr zärtlicher Zuneigung aus.

Tja, Pech Sara, DAS ist wahrscheinlich Sasa.

Ich höre auf zu atmen und mein Herz fühlt sich jetzt ohne Übertreibung und Einbildung so an, als stoße man ein Messer hinein. Dieses Stechen. Diese Demütigung. Diese Enttäuschung. Dieser Schmerz. Meine Knie werden weich und ich habe das Gefühl in Ohnmacht fallen zu müssen. „Du reißt dich jetzt zusammen! Schließlich bist du ein Profi.“ faucht mein Über-Ich mich an. Ich kann mich hinter meiner Maske des Berufs verstecken.

Da ich noch direkt hinter der Tür stehe, bekomme ich diese ebenso direkt ins Kreuz, als die Dame aus der Hygieneabteilung mit ihrem Wischmop das Zimmer betreten will.

„Ja super, jetzt gib mir auch noch von hinten eine drauf DU SCHEIß LEBEN!!!“ schimpfe ich innerlich. Im außen jedoch hört man von mir lediglich ein beschämtes „ups“ und auf die Entschuldigung der Wischmop schwingenden Dame ein leises „Macht nix, konntest du ja nicht wissen. Kannst ja nicht durch die Tür gucken.“ höre ich mich selber sagen, während ich schrill dabei lache. Viel zu laut. Völlig unangemessen zu laut. Ich hasse Menschen, wenn sie aus Unsicherheit zu laut lachen. Und nun bin ich selbst einer von ihnen. Tja, so schnell kann´s gehen.

Ich trete zu Thore ans Bett und sage kühl „Ich habe ihr Schmerzmittel dabei, die müssten sie noch nehmen.“ Ich reiche ihm die Tropfen in einem kleinen Becherchen.

Danach lässt sein Kopf in das weiche Kissen sinken nimmt meine Hand, drückt sie und sagt „Danke Sara, du bist mein Engel.“ Sofort schießen mir die Tränen in die Augen. Ich bin verwirrt. Weiß nicht was ich davon halten soll. Nein! Er ist verwirrt. Noch halb auf Narkosedröhnung. Das darf ich jetzt nicht ernst nehmen.

Wohl auf Schwedisch sagt er zu Tweety. Ihrer Mimik, die ja meist universal ist, entnehme ich ein „Ahhh, achso, SIE ist es.“, dann lächelt sie mich an.

Der Dame von der Putzkolonne fällt in dem Moment die Kinnlade herunter. Sie steht jetzt da, als schaue sie sich einen Film an. Und ich? Ich bin die weibliche Hauptrolle? Kann das sein?

Ist das jetzt gut, oder wächst mir die Situation schon jetzt über beide Ohren? Meinte er das so wie er es sagte? Meint er einfach nur, dass ich meinen Job gut mache. Oder meint er, dass er in mich verliebt ist und ich ihm wie ein Engel vorkomme? Oder hat er nur einen Spaß gemacht? Oder er ist drauf von den Tropfen? Die schießen nämlich umgehend in die Blutlaufbahn und man fühlt sich ein bisschen wie auf Droge. Nicht, dass ich wüsste, wie sich das anfühlt – auf Droge sein.

Thore hält immernoch meine Hand. Mir ist die Situation unangenehm, deswegen winde ich mich aus seiner Berührung und verabschiede mich mit den Worten „I´m gonna leave you two alone now, though – take care.“
Meinen Kloß im Hals schlucke ich herunter, die Tränen ziehen sich langsam zurück.

„Thanks“ bedankt sich Tweety bei mir.

Die Putzfrau steht immernoch mit offenem Mund da und schaut mir hinterher. „Berta, mach´n Mund zu, die Milch wird sauer!“ ruf ich ihr zu, während ich den Raum verlasse. Den Raum, der soviel Unklarheit für mich  insich birgt, dass mir schwindelig ist. Wie in Trance gehe ich zum Schwesternzimmer und nehme mir eine Tasse Kaffe. Ich muss mich setzten und schlürfe ihn, den heißen Kaffee. Wenigstens darauf kann ich mich verlassen. Mit diesem Reiz kann ich was anfangen. Dass Kaffee noch wie Kaffee schmeckt. Mal besser, mal schlechter – dennoch immer nach Kaffee. Kaffe ist meine neue Essanfall-Stopphilfe geworden, seit ich soviel abnahm. Dieses Ritual gibt mir Halt und gebietet mir Einhalt. Wie für einen Raucher vermutlich die Zigarette.

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Am liebsten würde ich jetzt zu ihm stürmen, die Zimmertüre aufreißen und ihn küssen. Ein völlig paradoxes, unlogisches Verlangen. Das mag eklig klingen, bedenkt man, dass er sich vor garnicht solanger Zeit übergab. Aber das spielt jetzt alles keine Rolle mehr. Ich verspüre einfach nur den Drang zu ihm gehen zu müssen und ihn zu küssen. Wild, unbändig, stürmisch – so, dass wir beide kaum noch Luft bekommen. Ganz gleich, wer um uns herum ist und was vor oder nach diesem einen Moment geschieht. Die uralte Morla aus der unendlichen Geschichte hatte Recht “ es ist sogar egal, dass es egal ist“. Er hat mich vor seiner Bekannten schonmal nicht verleugnet. Das sind gute Neuigkeiten und lassen mich erneut hoffen.
Küssen. Einfach nur das.

Stattdessen sitze ich jetzt wie festnegnietet, kopfschüttelnd da, während ich Berta und die anderen im Krankenhausflur über Thore und mich tuscheln höre und schlürfe meinen Kaffee, der immer schmeckt, wie Kaffee.

Neues Jahr, neues Glück – Teil 7 „Ein Zeichen“

Völlig desorientiert wache ich auf. Es ist hell. Ich kann sehen, dass ich mich in dem Pensionszimmer befinde. Aber im ersten Moment erscheint es mir schwer, die verworrenen Erlebnisse der letzten Nacht zu sortieren. Von der zweiten Hälfte der Nacht bekam ich so gut wie garnichts mit. Ich muss so fest geschlafen haben, dass ich völlig verpasste, als Thore das Zimmer verlassen hatte. Immerhin können meine dick geschwollenen Augen, mit noch unscharfem Blick ihn nirgends entdecken. Aber ich höre auch nichts aus dem Bad. Der Himmel, in den ich vom Bett aus, durch das schräge Dachfenster aus rustikalem Holz sehen kann, ist hellblau und Kristall klar. Der Schneesturm war offensichtlich vorüber. Nur, wo Thore sich derzeit befindet, ist mir nicht klar. Und nun geht es mir wie der Schneekönigin, deren Herz sich ganz vereist angefühlt haben muss.

Ich spüre, wie sich Enttäuschung in mir ausbreitet. Darüber, dass ich nur träumte, dass wir uns näher kommen und darüber, dass er nun auch noch weg ist. Irgendwie fühle ich mich wie – verlassen.

„Nein, nun werd´nicht wieder theatralisch. Du reißt dich jetzt zusammen, fällst definitiv nicht in die Opferhaltung der Verlassenen, erinnerst dich daran, was du schon alles geschafft hast in diesem neuen Jahr und daran, dass du auch allein glücklich bist. Du kannst stolz darauf sein, wie sehr du dich aus deiner Comfort-Zone gekämpft hast und gehst jetzt duschen. Und zwar kalt-warm-kalt!“ lässt mein aufbauend-motivierender Teil meines Erwachsenen-Ich´s jetzt verlauten.

„Zu Befehl Drill Sergant! Widerstand zwecklos.“ freue ich mich über den immer stärker werdenden Teil meiner Persönlichkeit, der positiv eingestellt ist und nicht gleich alles persönlich nimmt und dramatisiert. Und zwar nicht, weil irgendein Konflitktscheuer Mann, mit schlechter Streitkultur mir unterstellt, ich sei wieder einmal nur zickig und solle mich jetzt gefälligst mal zusammenreißen. Was natürlich genau das Gegenteil in mir bewirkt hätte. Nein, ich bin kein Opfer sondern positiv und eine Macherin, nicht dramatisch sondern gelassen, weil ich es will.

Hach, so eine Dusche tut gut. Nach den nächtlichen Traumeskapaden hat mein Körper aber auch echt ne Dusche nötig. Ich habe das Gefühl, wie ne Kabine voller verschwitzter Fußballspieler zu müffeln. Ich lehne mit beiden Händen an den beígefarbenen Kacheln und lasse den warmen Wasserstrahl meine Haut streicheln. Ich halte meinen Kopf darunter. Das gibt mir das Gefühl, mir selbst den Kopf zu waschen. „Was ich mir dabei dachte. Immer muss ich gleich so körperliche Gedanken haben, wenn ich ´nem attraktiven Mann begegne. Das lässt mich total unentspannt sein.

Ich habe oft das Gefühl der Schönheit verfallen zu sein. Wenn ich schöne Menschen sehe, bin ich fasziniert. Aber – und dessen bin ich mir durchaus bewusst, Schönheit wird letztlich auch völlig überbewertet. Das wurde mir klar, als ich mich mit einer 90 jährigen Dame unterhielt, deren Haut sich den Zeichen der Zeit beugen musste. Als ich dann ein Bild hinter ihr erblickte, auf dem sie in den 20er Jahren abgelichtet wurde. Schön, wie man sich eine Göttin vorstellt. Dieser Moment bleuchtete meinen engstirnigen Tunnelblick, auf den, von der Norm vorgegebenen Wert -Schönheit. Wo war ihre Schönheit nun? Und hat sie diese glücklicher sein lassen, als weniger schöne Menschen? Hilft ihr der Fakt, der vergangenen Schönheit heute?
Der Umgang mit den alten Menschen lehrte mich, dass innere Schönheit mehr zählt. Menschen also, die liebevoll sind. Menschen vielleicht, die alle Tugenden in sich vereinen. Rechtschaffen, liebevoll, gerecht, ehrlich, taktvoll, sanftmütig, mitfühlend. Aber auch die liebenswürdigsten Menschen können sich aufgrund einer krankheitsbedingten psychischen Veränderung, längst gebändigten Monstern wie Wut, Jähzorn, Sadismus, Taktlosigkeit, Gleichgültigkeit erneut machtlos ausgeliefert fühlen und dieses dann Grimassen schneidend nicht mehr verbergen. Niemand ist nur schön oder nur nett. Man ist wohl immer eine Art Gewichtung, eine Mischung aus dem zur Verfügung stehenden Verhaltensrepertoire des Menschen.
Wie unzählige Elemente eines endlosen Periodensystems.
Das macht ja jeden Menschen auch so einzigartig und den einen oder anderen sogar spannend für einen selbst. So spannend, dass man ihn kennenlernen möchte. Dass man etwas von ihm lernen möchte. Deswegen ist es wohl immer toll, wenn man sich ergänzt. Also nicht total unterschieldich ist, aber schon auch ein wenig. Eben soviel, dass Spannung da ist. Das undefinierbare gewisse Etwas macht vielleicht den Unterschied zwischen „einfach nur schön“ und „interressant schön“.

Ich selbst bin auch nicht hübsch im klassischen Sinne. Dazu kommt, dass ich seit meiner Kindheit auch immer pummeliger war, als andere Kinder. Und größer. Die gleichaltrigen Jungen hatten immer schon Angst vor mir. Deshalb versuchte ich wohl immer irgendwie niedlich zu wirken, damit sie diese Angst verlieren und auch, damit sie mich so sehen, wie ich mich innen drin fühlte. Schutzbedürftig und zerbrechlich. Allein durch mein Äußeres erweckte ich wohl immer schon den Anschein als sei ich herb und stark. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen, die aussehen, wie Kinder von anderen niedlich gefunden werden. Dem wollen sie entgegen wirken und sind deswegen besonders zäh und tough. Wie ein Jack Russel Terrier.  Und Frauen wie ich, die auch als Mädchen schon wie kleine Frauen aussehen, kämpfen immer darum, nicht ständig überschätzt und auch mal als schwach angesehen zu werden.

Später begriff ich dann, dass ich nunmal nicht der niedliche Frauentyp bin. Mein kleines Mädchen innen drinnen fand niemals einen Mann, der sich auch mal vätertlich um es kümmern wollte. Also tat ich es selbst.  Gleichzeitig zog ich immer Typen an, die in meiner Gegenwart zu unreifen, kleinen Jungs mutierten. Dieses Bild der fürsorglichen, liebevollen Mutter wurde wohl durch meine üppigen Kurven und meinen ersterlernten Beruf der Erzieherin noch verstärkt.

Ab da trat ich so auf, wie ich nunmal bin. Souverän, im Großen und Ganzen. Ich war es Leid mich unbeholfen darzustellen, wo ich es nunmal nicht war. Oder freundlich , wenn ich mein Gegenüber nicht leiden konnte. Und das alles nur um wenigstens irgendeine Aufmerksamkeit von Typen zu erhalten. Wenn ich schlecht drauf bin, lass ich das auch raushängen. Ich verbiege mich nicht mehr und versuche authentisch zu sein. So komm ich wenigstens mit mir gut aus. Und mehr bedarf es ja auch nicht.

Ich glaube, ich bin hochsensibel und spüre immer schnell, wen ich da vor mir habe. Diese schnelle Einschätzung gibt mir Sicherheit. Ob ich mich in meiner Wahrnehmung über andere auch schonmal getäuscht habe? Sicherlich nur, wenn ich verliebt war. Und da aber auch nicht grundlegend.  Meine Alarmglocken leuten trotzdem. Ich höre dann nur meist nicht auf sie, weil ich daran glauben will, dass jeder eine Chance verdient hat. Da benötige ich meist etwas länger, um Unehrlichkeiten dingfest zu machen, wobei ich aber immer sofort spüre, dass etwas nicht stimmig ist, an seinem Verhalten. Es heißt ja auch „Liebe macht Blind“. Dieses Sprichwort trifft auch auf mich zu. Kaum ist eine Art von Beziehung in Sicht, steigen in mir Wünsche und Ängste auf, die dann meine Urteilsfähgikeit eintrüben und mich, zumindest immer mal wieder kurzfristig unzurechnungsfähig sein lassen.

Als Lügendetektor hat man es in privaten Beziehungen wahrlich nicht einfach. Ich erwarte ja nicht, dass mein Gegenüber mir alles „beichtet“. Jeder sollte kleine Geheimnisse bewahren. Jeder sollte, auch in einer Beziehung immernoch einen kleinen Bereich Privatsphäre haben. Ich glaube nicht an das Konstrukt, Alles miteinander zu teilen. Schon garnicht Geld. Jeder verdient seins. Wenn einer der beiden nunmal erheblich mehr verdient, sag ich nichts dagegen, eingeladen zu werden oder einzuladen. Aber grundsätzlich bin ich für Gütertrennung. Selbst der gerechteste, gelassenste Mensch ist nicht davor geschützt, in einer Trennungssitutaion unfair zu handeln. Selbst bei einvernehmlicher Trennung liegen Verletzungen auf beiden Seiten vor und man könnte in manchen Angelegenheiten unfair reagieren, da nicht mehr der Verstand die Exekutive anführt, sonderen dann evtl. der kindische, verletzte Anteil der Psyche, der auf Vergeltung aus ist.

Deswegen – je klarer die Verhältnisse klar getrennt sind, desto weniger Scherereien hat man, wenn das dicke Ende kommt.

Worüber ich so nachdenke, während mir das wohlig warme Wasser  über meinen Kopf, an den Ohrmuscheln wie ein Wasserfall vorbei rauscht. Schon fast abartig von mir, bereits vor Beginn einer eventuellen Beziehung, an das Ende zu denken.

Um mich von dieser, wie ich finde, negativen Gedanken-Spirale zu trennen, stelle ich mir nun vor, wie seine Hände mich umschlingen und das Wasser unsere Körper zu einem einzigen verbindet. Das Wasser, das durch Furchen und über Hügel fließt und sich so die Körperlandschaften erschließt, wie ein Fluss, dessen Quell Aphrodites Schoß zu entspringen scheint. Mich nicht nur vom Wasser sondern auch von seinen warmen, sanften, geschickten Händen liebkost zu fühlen. Dieser Fantasie durch einen tiefen Seufzer Ausdruck zu verleihen, scheint mir jetzt ein innerer Drang zu sein. Wenn ich mir vorstelle, wie wir uns in dem Wasserstrahl begegnen. Wie unsere Hände, unsere Lippen den Körper des anderen auskundschaften mit zögerlichem Abwarten einerseits, gleichzeitig mit mutigem herantasten an die sensiblen Bereiche des anderen. Schon entwischt meiner Kehle ein wohliges Raunen und ich muss mich an der Wandhalterung der Dusche festhalten, weil das Gefühl – wie ein Beben – kaum auszuhalten ist.

Plötzlich kommt mir wieder zu Bewusstsein, dass er mich ja einfach hat sitzen lassen. Ohne ein Dankeschön, ohne ein auf Wiedersehen. Einfach weg, ist er. Was soll ich mich da noch in irgendwelche Fantasien hineinbegegben. Das würde ja jetzt nur meine Enttäuschung verstärken. Am besten ich lenke mich ab. Jetzt kalt duschen! Ohne Gnade stelle ich den Hebel auf kalt. Es ist so kalt, dass ich am quietschen und hyperventilieren gleichzeitig bin. Ich bin am hecheln, wie bei ner Schwangerschaftsgymnastik, die ich nur aus dem Fernsehen kenne.

„Oh no not I, I will survive, for as long as I know how to love I will be alive…“ singe ich, während das Handtuch meine, vom Duschen schrumpelig gewordene Haut, trocken rubbelt. Während ich mir die Haare föne kommt mir Patsy Cline in den Sinn. Eine Country Sängerin, die auch nicht gerade Glück in der Liebe hatte „Crazy. Crazy for feeling so lonely. Ohohoh Crazy. Crazy for feeeeeling soooo bluuuuueee“.

Ups, ein Pups entfläucht mir und schallt im Bad irgendwie doppelt so laut. Aß ich gestern Erbsen, Bohnen oder Linsen? Das war definitiv ein Kohlenhydrat Pups. Das hatte ich während meiner Ausbildung gelernt.  Eigentlich heißt es ja Flatulenz. Die lauten Flatulenzen sind immer die Kohlenhydrat-Flatulenzen und die leisen, die doll riechen, sind die Eiweiß Flatulenzen. Jetzt denke ich wieder über die Arbeit nach und verspüre schon etwas Aufregung, weil mein Praktikum übermorgen losgeht. Es ist nur ein Praktikum.  Ich muss mich ja nicht profilieren. Ich bin da, um etwas zu lernen und nicht, um schon alles zu können. Außerdem macht sich sowas immer gut in der Vita. Arbeit ist immer gut, um sich abzulenken. Blöder Arsch, der! Geht der einfach, OHNE AUCH NUR EINE NOTIZ HINTERLASSEN ZU HABEN. Einfach davon gestohlen! Blödian, Arsch! Penner! Fluchen hilft auch. Meistens. Am besten man tut es laut. Ich muss es laut aussprechen. Ich schaue mich im Spiegel an und sage mir jetzt „Ich bin toll und er, er ist einfach ein Arschloch. Egoistisch, unsensibel und gleichgültig. Blöder, hochnäsiger Typ!“

Um meine Schimpftirade verstärkend abzuschließen, folgt ein „Jawohl!“, während ich aus dem warmen Dampfsauna ähnlichen Badezimmer nun in mein klirrend kaltes Schlafzimmer gehe. Das Fenster steht sperrangelweit auf und ich hab mir n Handtuch drum gewickelt. Ich kann mich nicht erinnern, das Fenster geöffnet zu haben. Schnell überlege ich, ob evtl. die Vermieterin kurz im Zimmer war, um es frisch zu machen. Aber doch nicht am Wochenende und nicht unabgesprochen – bringe ich den Gedanken noch eben so zuende, als ich wie versteinert stehen bleibe, weil Thore aus der Kochnische, Rechts um die Ecke linst und schelmisch grinst. Wie niedlich er aussieht, wenn er lächelt. Seine obere Zahnreihe bildet  eine Art kleinen Überbiss. Und seine Augen sehen eigentlich so aus, wie die eines kleinen, glücklichen Kindes. Groß und rund und lächelnd. Lächelnde Augen. Das ist es. Augen sind für mich eines der aussagekräftigesten Kommunikationsmittel. Auch ich spreche immer mit den Augen. Augen vermögen es, jemanden auszuschließen oder in ihn einzudringen, mit tiefen, intensiven, durchdringenden Blicken. Es gibt auch leblose Augen. Traurige Augen, verzweifelte oder aber eben glückliche. Wie die, von Thore.

Wenn er mich so anstrahlt, fühlt es sich an, als gehe die Sonne in meinem Herzen auf. Was eigentlich nicht gut ist, denn das heißt, das er Macht über mich hat. Macht deswegen, weil ich sie ihm einräume. Ich bin ihm verfallen. Ok, jetzt muss ich irgendwelche unsympatischen Anteile an ihm ausmachen. Schwächen oder Gemeinheiten. Irgendwas, das ihn etwas weniger anziehend sein lässt, bevor ich nicht sicher weiß, ob er es erwidert. Und es auf ein einseitiges ihm verfallen sein hinausläuft.

„Wie überhaupt ist er hier rein gekommen? Warum ist er wieder hier? Wo war er? Was von dem, das ich im Bad so alles von mir gab, hörte er mit an?“ überschlagen sich jetzt meine Gedanken, während ich versuche so cool und unbeteiligt wie möglich zu wirken. „Hattest du eine gute Zeit im Bad?“ fragt er mich. Na toll! DAS konnte alles meinen! Ich überlege jetzt ob es im Prinzip egal ist, was er alles mitbekam, wenn er denn ALLES mitbekam und den Fokus von mir weg, darauf zu lenken, wo er war und wie er hier wieder herein kam. „Gute Taktik.“ lobt mich mein Verstand.

Jetzt, wo ich ihn dazu befragen will, um unter anderem zu überspielen, dass ich mich gerade irgendwie nackt fühle, weil ich ja unter dem Handtuch im Grunde auch nackt bin, biegt er mit einem Tablett um die Ecke.

Jetzt erst bemerke ich den Duft von Kaffee. Sehe auf den Tellern frisch geschnittenes, nett drappiertes Obst liegen. Neben zwei Buttercroissants hat er  in kleine Gläschen ein Klecks Honig und rote Marmelade abgefüllt. Liebevoll sehen die Servietten gefaltet aus. Auf dem Tellerrand liegen getrocknete Apfelscheiben. Der Orangensaft sieht frisch gepresst aus und oben auf schwimmt eine kleine blau-lila Blüte. „Tadaaaa.“ ruft Thore feierlich. „Mhh, das sieht aber wirklich delicious aus.“ sage ich freudig. „Ich dachte mir, nach deiner turbulenten Nacht und als Dankeschön, dass du mich vor dem Sturm gerettet hast, würdest du dich über ein gemütliches Frühstück im Bett freuen.“
Aller Ärger löst sich in Luft auf.

Dass ich aber auch immer so ein Kopfkino abfahren muss, wenn mal etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Jetzt hab ich mich ganz umsonst geärgert. Dabei ist er wirklich nett. Und so….toll!

Als ich, gekleidet in meinem schlabber Jogginganzug aus dem Bad komme, sitzt Thore im Schneidersitz auf dem gemachten Bett. Von seinem Handy erklingt, wie soll es anders sein – Vivaldi – die vier Jahreszeiten.

„DAS ist ein Zeichen!“ möchte ich glauben. Doch ein Teil von mir bleibt skeptisch und kühl. „Ein Zeichen!“, verspottet mich meine Vernunft. „Ja, ein Zeichen!“, wage ich mich, mir selbst, naiv und magisch denkend aber glücklich zu widersprechen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass er genau DIE klassische Musik abspielt, die ich hörte, als ich ihn zum ersten Mal erblickte? Selbst Spock …und Sherlock Holmes zusammen genommen, würden DAS für ziemlich faszinierend und gut deduziert und weniger für einen Zufall halten.

Fortsetzung folgt…© by soulstripShe

Neues Jahr, neues Glück – Teil 6 „Liebe im Nichts“

Sein Zeigefinger streift langsam und kaum spürbar und doch das innerste Mark erreichend, über mein nacktes Knie. Das einzige Geräusch, das man in meinem Zimmer vernehmen kann ist das knisternde Holz des brennenden Scheites im steinernen Kamin und den Schlag meines Herzens. Mein Puls rast. Ruhiges Atmen fällt mir schwer in Anbetracht seines direkten und mich musternden Blickes. Er sieht mich an. Fordernd und doch geduldig und liebevoll. Ich habe das Gefühl meine Bauchdecke zittert vor Aufregung für ihn sichtbar. Schon fast selbstgefällig lächelt er. Der Blick ist nicht gespielt sondern echt. Das merke ich daran, weil dieser mich durchdringt und in mein tiefstes Inneres erreicht. Er versucht nicht, mich pseudo-erotisch anzustarren und die Situation pseudo-zu-kontrollieren um mich pseudo-zu-verunsichern. Den Unterschied spüre ich. Ich erkenne, wenn jemand nur spielt, die Situation und sich im Griff zu haben. Das würde mir dann eher peinlich sein, aufgrund des Fremdschämens. Für mich ist Erotik, wenn der andere sich im Griff hat und ich mich fallen lassen kann. Und dann wieder, habe ich mich im Griff und er lässt sich fallen. Wie beim Tango tanzen, bei dem erst der eine, dann wieder der andere, Nähe und Distanz, Kontrolle und Kontrollverlust demonstriert. Unsere Hemmungen und Ängste unsere Bedenken – all das fällt in diesen Momenten von einem ab. Alles nur eine Illusion würde Jiddu Krishnamurti, indischer Philosoph,  sagen. Und genauso sieht er mich jetzt an. Ich fühle mich gesehen, beachtet und so sein gelassen. Das gibt mir Sicherheit, mich weiter, tiefer hingeben zu können. Stück für Stück, immer mehr. Voller Vertrauen. Zumindest, in diesem Moment.

Krishnamurti nennt das Gleichnis des Baumes. Wenn ich den Baum ansehe und denke „dies ist ein Baum“  sehe ich nicht mehr das Wesen des Baumes, sondern nur das Bild eines Baumes. Ein Bild ist statisch und zweidimensional. Ich projiziere etwas auf den anderen, das dann wie ein Filter davor geschoben wird. Meine Wahrnehmung wäre dann so flach wie ein Blatt Papier, das aus diesem Baum geschaffen wurde. Das Wesen eines anderen, mit allem was ihn ausmacht im Jetzt zu erfassen, ist es, wonach der Mensch sich sehnt. Der Wahrgenommene und der Wahrnehmende. DAS ist dieser Moment, in dem alles von einem abfällt. Der Moment, dem ich hinterherjage, seitdem ich von Zweisamkeit weiß. Erlebt habe ich sie nur in wenigen Momenten von langjährigen Beziehungen. Momente, in denen ich wusste,  Angst ist auch nur ein solches Bild. Zweidimensional. Eine Mauer aus Pappmacheé allenfalls.

Wer hätte gedacht, dass ein einzelnes Knie so viele Rezeptoren  haben kann? Ein Hauch seines Körpers fasst mich an und es fühlt sich an, als hätte er tausend Hände, die meinen Körper in Gänze berühren.

Ich liege auf der Couch und er sitzt neben mir. Über mich gebeugt. Immernoch sehen wir uns tief in die Augen.  Als spielten wir das Spiel „Wer zuerst wegschaut hat verloren“, nur dass wir nicht spielen. Es fühlt sich fundamental an. Ich wünsche mir mehr. Wie verzehrte sich meine Seele schon immer nach einem Gegenüber, das die Geduld und die Würde hat, abzuwarten. Abzuwarten, bis ich mich verzehrend winde vor Verlangen, weil das geduldige und würdevolle „Nichts“ so unerträglich erscheint. Das Nichts, das einen umgibt, wenn man liebt. Wie ein gemeinsames Vakuum. Alles und Nichts um einen herum. Alle Sinne fühlen nichts außer seinen Geruch…Geschmack… seine Geräusche. Losgelöster Fokus.

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Er sitzt einfach nur neben mir und sagt nichts. Auch ich schweige. Seine Berührung wandert meinen Arm hinauf, über den Hügel meiner Schulter, entlang meines Schlüsselbeines. Seine Augen folgen seinem Finger. Kurz sieht er zu mir. Vermutlich um sich zu vergewissern, dass es mir gefällt. Ich schließe meine Augen und sehe mit dem Teil von mir, den er in diesem Moment berührt. Ich sehe mit jeder Pore meines Daseins.

„Brot, Salz…hab ich noch Zucker?“
„Nein, nicht abschweifen! Lass dich fallen.“ bitte ich meine Gedanken.
„Wenn ich intra muskulär injiziere muss ich aspiriren. Bei subkutaner Injektion wird nicht…“ quatscht meine Großhirnrinde weiter, um sich bloß nicht in der Situation zu verlieren.
Verärgert und genervt von meinen abschweifenden Gedanken, öffne ich die Augen.
Ich erblicke ihn dicht vor mir. Sofort holt mich sein Blick voll ins Hier und Jetzt zurück. Denn jetzt sieht er mich an als wolle er mich gierig verschlingen. Unerbittlich ergreift seine Hand meinen Nacken und zieht mich langsam mit bestimmenden Genickgriff näher zu sich heran.

Sein Blick durchbohrt mich förmlich, genauso wie sich seine Zunge den Weg zu meiner bahnt.
Intensiv begegnen sie sich. Ich habe das Gefühl mich darin zu verlieren. Ich versinke in seiner Umarmung. Aus seinem fordernden Druck wird jetzt ein kaum spürbares, leichtes Streifen unserer geöffneten Lippen. Fast so als berührt sich lediglich unser Atem.

Ich räkle mich. Doch was ist das denn jetzt?!

„Autsch“ schreie ich und winde mich aus seiner vereinnahmenden Umarmung. „Was ist?“ fragt er hochgeschreckt und wirkt durchaus besorgt.
„Ich hab nen Kraaaaampf…achhhhh Scheiße! Tut das weh.“ Mein Wadenkrampf unterbricht unser körperliches Geflüster. Na Super! Ganz Toll!

Ich beuge mich vor und halte meine Wade fest. Kräftig schlage ich auf die Couch, in der Hoffnung, der Krampf verschwindet dadurch. Wie eine Übersprungshandlung, um den Schmerz besser aushalten zu können. Wie Zähne zusammenbeißen, ohne Zähne zusammenbeißen. Während ich dies tue scheint sich mein Bewusstsein aus dem Nebel meines Vorbewussten zu lösen und in der Realität anzukommen, in der ich mich leise wimmern höre.

Kein warmes Kaminfeuer. Stattdessen, Dunkelheit. Kein wärmender Körper neben mir. Stattdessen meine, mich wärmenden 30 Kilo zuviel auf den Rippen, die mich nun plötzlich wieder umgeben.

Einen Moment ist mein Denken noch benommen vom Traum und vom Schmerz des Krampfes, sowie der schmerzhaften Erkenntnis, dass alles, was ich erlebte ein Traum war. Ich atme, als hätte ich Wehen, ich atme in den Schmerz. Der Wadenkrampf löst sich auf. Der Schmerz meiner Seele bleibt. War es ALLES nur ein Traum?! Für wenige Sekunden bin ich nicht nur räumlich desorientiert – auch sehe ich mich für diesen kurzen aber wahrhaftigen Moment außerstande zu unterscheiden, was ich tatsächlich erlebte und was nicht. Der Traum war so real. Noch immer spüre ich seine Berührung, unsere Küsse. Sein Geruch liegt mir in der Nase. Der Klang seiner Stimme hallt in meinem Ohr, sein Atem liegt noch auf meiner Haut.

Völlig hin und her gerissen zwischen Traum und Wirklichkeit dämmert es mir, wo ich mich befinde und beginne zu weinen. ES weint mich. Ich weine so sehr, dass ich keine Luft holen kann und es sich mehr in ein nach Luft japsendes Schluchzen verwandelt.
Zuhause. In meinem alt bewährten Zuhause. Nichts hat sich verändert, auch ich nicht.

Was soll sich denn auch von allein verändern? ICH muss es ändern. Ich möchte es ändern. Ich kann es ändern. Aufgewacht aus meinem Traum, angekommen in meiner Wirklichkeit, beginnen meine Sehnsucht und Antriebslosigkeit mich zu umweben, wie eine unerbittliche Spinne ihren Faden um ihre Beute wickelt. Betäubt und bei wachem Bewusstsein sterbend zurückgelassen.

NEIN. Ich möchte mich dem nicht beugen. Ich zapple. Innerlich. Tief innen drin bäumt sich etwas auf. Die Wut. Wut gibt mir Mut und Antrieb. Wut kann zerstören. Wut kann erschaffen. Mir ist Antrieb aus Wut lieber, als garkein Antrieb.

Alles um mich herum fühlt sich immernoch beklemmend an. Ich sitze immernoch im Dunkel des Raumes, der sich dumpf anhört. Wie eine kleine Kammer, in der ich sitze.
Als mich was am Arm berührt, schrecke ich zurück und falle fast vom Bett. Von ganz weit her, immer näher kommend höre ich jemanden meinen Namen rufen.
Alles geht rasend schnell, ich fühle mich wie gelähmt aus Angst davor, meinen Verstand zu verlieren.
Mit einem Mal fühl ich mich, als zöge jemand an mir. Wie in einem dunklen Tunnel in dem ich entlang gezogen werde, von unnachgiebigen Händen aus dem Nichts.
Sterbe ich grade? Mein Name hallt wie ein Echo in meinem Gehörgang.
Jetzt ist es für einen kurzen Moment so hell, dass ich nichts sehen kann. So, als sehe man mit geschlossenen Augen in die Sonne.
Eine hundertstel Sekunde später sehe ich das Zimmer meiner Pension hell erleuchtet.
Thore schüttelt sanft meine Schulter und ruft meinen Namen.
„Was? Was ist los?“ schrecke ich auf.
„Du hast so unruhig geschlafen, klang nach nem unangenehmen Traum. Da dachte ich, ich erlöse dich und weck dich auf.“
Nun plötzlich fühle ich mich erleichtert, wie im Himmel geradezu.
Ich brauche noch einen Moment um die Situation zu erfassen, die sich jetzt einerseits real und doch unwirklich anfühlt.

Ich muss lachen, weil ich so erleichtert bin, dass alles nur ein Traum war. Ein Traum im Traum. Ich betaste meinen Körper. Er fühlt sich leicht an. Nichts mehr zu spüren von der Schwere der zusätzlichen Kilo und dem traurig-schweren Gemüt.

„Na, das muss ja ein bewegender Traum gewesen sein.“ spöttelte Thore leichtfertig herum. Streichelte meine Schulter kurz fürsorglich und klopfte sie dann freundschaftlich. Umgehend wird mir klar, was ich da träumte, bevor ich im Traum aufwachte. Als ich mir erschöpft über das Gesicht streife, bemerke ich die Tränen, die ich offensichtlich in echt weinte.

Ich glaube, ich werde grade Rot, vielleicht habe ich sogar hektische Flecken. So schön der Traum einerseits war, so schrecklich war er auch und ich bin froh. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mir bereits in der ersten Hälfte der Nacht, einen Fauxpas leistete und noch die andere Hälfte überstehen muss. Ich hoffe, dies gelingt mir ohne weitere Zwischenfälle. Ich finde ja, er könnte sich auch mal daneben benehmen, damit ich nicht so allein als traumatisierter Trottel dastehe.

Mal sehen, was die andere Hälfte der Nacht noch so mit sich bringt.

Fortsetzung folgt…© by soulstripShe

Neues Jahr, neues Glück – Teil 5 „Sahnetorte, stürmisch“

Wie er ein Stück Sahnetorte verspeist, stelle ich mir bereits unterwegs vor.

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Pawlow hätte seine Freude an mir, denn JETZT beginne ich in der Tat zu sabbern. Ich hab das Gefühl nach Luft schnappen zu müssen, bei der Vorstellung. Das liegt wohl auch am Wind, der grad böenartig ins Gesicht pustet.

„Meine Güte, Sara! Reiß dich zusammen!“ faucht mein Über-Ich. „Naja!“ blök ich zurück, „bin ja auch nur ein Mensch!“

Ich muss aufpassen, mich nicht an meiner Spucke zu verschlucken, oder ihn ausversehen anzuspucken. Ein Glück gehen wir nebeneinander und sitzen uns nicht gegenüber.

Auf dem Weg zum Café weht uns immer wieder rauer, eisiger Wind entgegen. Die Schneeflocken peitschen mir in die Augen, worauf diese heftig zu tränen beginnen. Ein Glück benutze ich wasserfeste Wimperntusche und sonst nichts. Sonst hätte ich, im Café angekommen, auch noch ausgesehen wie ein Pandabär – mit Blasenschwäche wohlgemerkt. „Ganz schön windig.“ sage ich unsicher, weil ich nicht weiß, worüber ich sonst reden soll. Und garnichts sagen halte ich nicht aus. Vielleicht sollte ich so Volksweisheiten, wie „Reden ist Silber..“ ja doch beherzigen. Soll ER sich doch n Kopf machen, worüber wir jetzt reden könnten. Wenn von ihm allerdings nichts kommt, muss ich ja die Stille aushalten.

Er entgegnet, dass sie  einen  Schneesturm angesagt hatten, aber der sollte erst in der Nacht kommen. Oh neiiiin, jetzt reden wir schon wieder über´s Wetter! Haben wir uns so wenig zu sagen? Thore schickt jetzt gleich voraus, dass er nicht lange Zeit hat, weil er es sonst nicht mehr nachhause schafft.

Hä? Wie jetzt!? „Wieso, wo musst du denn hin?“ Kurz beschreibt er „900 Meter höher.“ verständnislos frage ich ihn, wo da jetzt das Problem läge. Ich klinge schon fast patzig, irgendwie kratzbürstig. Ich glaub, ich bin jetzt ein bisschen beleidigt, dass er unsere Begegnung so begrenzt. Totaler abturner.  Ich merke, wie sich meine Unterlippe zu einem Schippchen nach vorne schiebt. „Denk´ dran Sara, du wolltest UMkonditionieren, umdenken.“ erinnert mich mein ICH. Stimmt ja und immerhin, er hätte ja auch gleich ablehnen können, aber er nimmt sich die Zeit. Nagut. Wenn ich so drüber nachdenke fühl ich mich doch nicht abgelehnt. Ich beschließe aufgrund dessen einfach, mich wichtig und von ihm wertgeschätzt zu fühlen. Da er wieder schweigt, muss ich wohl nachhaken. Ich halte diese Stille nicht aus, weil ich das Gefühl habe innerlich zu verglühen. Es läuft ein total hormonell gesteuertes Kopfkino ab. Ich kämpfe hier grad gegen mein Über-Ich und mein ES. Trieb gegen Vernunft und in der Mitte stehe ich. Wenn man in der Mitte der Spur steht, wird man überfahren. Nicht zu verwechseln mit der Buddhisten Mitte – das richtige Maß – das man finden sollte. Möglichst in diesem Leben. Sonst muss man eben wiederkommen. DAS könnte man dann vielleicht den karmischen Wiederholungszwang nennen. Als hätte Freud den Buddhismus gekannt, quasie.

Die Glocken leuten. Es gibt in diesem Ort eine kleine, alte Kirche und etwas weiter weg scheint es eine kleine Kapelle zu geben. So läuten eine kleine und eine große Glocke um die Wette. Beides zusammen ergibt ein schönes Konzert. Wie ein Dialog.

Ich  hab das Gefühl, dass ich stark zittere. Innerlich. So stark, dass ich fürchte, es wirkt sich auf meine Motorik aus. Er lässt MICH zuerst durch die Türe des kleinen Kaffeehauses gehen.  Das heißt ja auch schonmal was; nämlich Manieren. Es duftet nach frischem Kaffee, aber ich hatte mich ja schon auf dem weg hierher für ne heiße Schokolade entschieden. Da Kaffee kein guter Begleiter ist wenn man sich sowieso schon so fühlt, als habe man bereits den ganzen Tag Espressi getrunken. Es wird g´scheite Zithermusi g´spuit und ich fühle mich wie umarmt und gewärmt von Duft, Licht und Musik – und seinem Lächeln. Er hat so ein Lächeln, das einem sagt, das alles in Ordnung ist.

Wir sitzen uns gegenüber. Seine blauen Augen erinnern mich an Gletschereis. Ich liebe seine Augen. Wären seine Augen Braun, würden sie mich vermutlich an Mokka Kaffee erinnern. Ich würde seine Augen auch lieben, wenn sie Lila wären, weil ich glaube ich IHN liebe.  In mir höre ich es schallend lachen. Es  lacht mich aus, mein Über -Ich „Liebe, pff!“ Und seine Haut. Ich mag seine Hautfarbe. So…Weiß. So milchig, irgendwie. Oder sagen wir, wie Creme Brulee, mit knuspriger karamellisierter Oberfläche und weicher Creme darunter. Ich mag das gern, wenn der Po wackelt, wie Götterspeise wenn man drauf klatscht. Schade eigentlich, dass er so durchtrainiert ist.

Ich fasse es nicht, er bestellt sich tatsächlich ein Stück Sahnetorte. Das ist so unfair. So ein Körper und kann es sich trotzdem leisten Sahnetorte zu essen. Ja und ich? esse sowas jetzt auch! – und habe trotzdem ein schlechtes Gewissen.

Die Sahneschnitte, isst ne Sahneschnitte! Ok, der war jetzt echt flach und hätte ihn ein Mann laut gebracht, wäre ich wohl hochgegangen wie ein HB Männchen. Unsere Hände treffen sich ausversehen an dem kleinen silbernen Milchkännchen und wir müssen beide lachen. Dabei flutscht mir natürlich ein Stückchen Sahnetorte durch meine Lippen auf die Tischdecke. DAS ist ja nun auch wieder typisch und peinlich noch dazu. ER versichert mir aber ganz nett, dass das ja wohl kein Problem ist. Die Stelle, die er berührt hat, brennt wie Feuer. Ein Hinweis des Schicksals?

Ich will ihn garnicht so doll anhimmeln. Ich möchte ihn nicht auf einen Sockel stellen. Möchte mich nicht klein machen und auch nicht klein fühlen. Ich versuche jetzt, mich abzukühlen, während ich ihm zuhöre, was er über sein Heimatland Schweden zu erzählen hat. Er klingt begeistert aber nicht patriotisch. Derzeit pendelt er allerdings, weil er einen flexiblen Job hat. Zwischen USA und Schweden, ok?! „Und was machst du dann hier in Österreich?“

„Abschalten. Hier ist eine gemütliche Atmosphäre und…“ er pausiert. „Und?“ frage ich. Er winkt ab. Weil es hier schön und ruhig sei. Ich merke schon, dass er über irgendetwas nicht reden möchte. Vielleicht ist das ja die wundervolle Frau, die hier lebt und in die er verliebt ist. Und mit mir sitzt er nur hier, weil… weil er höflich ist. Ich tue aber auch wirklich alles, um Gründe zu finden, weshalb er mich nicht genauso toll findet , wie ich ihn. Aber es ist ja auch bekannt, dass immer einer von beiden, dem anderen hinterher rennt. Heraklit verglich dies mit einer Dose.  Auf der jeweils gegenüberliegenden Seite ist einer der beiden aufgemalt. Dreht man die Dose, sieht es optisch so aus, als renne immer einer dem anderen hinterher.

LETZTLICH weiß ich ja auch garnichts über ihn. Vielleicht ist er ja gemein. Ein Psychopath oder Narzist. Niemand ist nur nett. Aber niemand auch nicht, nur böse. Ob er nicht vielleicht ein dunkles Geheimnis zu verbergen hat? Vielleicht ist er ein Mörder. Ein Serienmörder. Weiß ich das? Ich erinnere mich an einen Bericht aus der Presse. An einen Mann, der mit seiner Frau und seinem Kind unauffällig lebte. Die Frau hatte nichts zu klagen. Jahre später fand man heraus, dass er viele Frauen umbrachte. Von der Gesellschaft, sogar seiner eigenen Frau, unbemerkt. Das Leben schreibt mitunter grausamere Geschichten, als Stephen King und Edgar Allan Poe zusammen genommen. Na toll, da interessiert sich mal einer, den auch ich toll finde und dann passe ich in sein Serienmord-Beuteschema.

Also, völlig bekloppt! Was mein Großhirn sich da wieder zurecht bastelt. Warum muss ich überhaupt was rumbasteln? Ich kann doch auch einfach mal den Moment genießen. Im Jetzt sein, heißt es doch immer so schön. Aber wie das geht, das erklärt einem keiner konkret. Genauso der schwammige Begriff der Abgrenzung. UND muss ich uns denn gleich vor dem Traualtar sehen? DAS ist doch nicht normal!! DAS ist  meine Programmierung. Jawohl. Wie ein Computerprogramm. Naja, dann muss ich die Software eben umprogrammieren. Wie gehabt.

Puh, entwaffnendes Lächeln. Einnehmend. Äh Moment, dis galt jetzt nicht mir. Neben uns steht eine Frau mittleren Alters. Also nicht meinen mittleren Alters. Das ANDERE mittlere Alter, so um die 40. Mist, ich Bin ja schon in zwei Jahren vierzig. Naja, aber ich seh ja nicht so aus. Egal. WAS macht die hier???

Sie will ein was?? Ein Autogramm? „Sure“ antwortet Thore höflich. „Änte picktscha?“ fragt die offensichtlich aus Deutschland stammende Dame fast schon fordernd. „Of course“. Mir bleibt mein Bissen im Halse stecken. Es kostet mich viel Anstrengung meine Mimik zu beherrsche, nicht die Kinnlade runterfallen zu lassen und möglichst cool und unbeteiligt auszusehen. Auf der anderen Seite warum?
Soll er doch ruhig wissen, dass ich erstaunt bin.

„Oh, oh, kähn ju beit mie?“ fragt die Dame forsch und räkelt ihm ihren schon leicht faltigen Hals entgegen. Jetzt schlägt´s dreizehn! Sakramento!

Sie will gebissen werden. Aha.

Ein Autogramm? Moment.

Ich sitze einen kurzen Moment regungslos da, weil mein Gehirn, wie ein quadcore Prozessor super duper Rechner, mit ner derzeitigen CPU Auslastung von 100% am verarbeiten ist, was hier um mich herum passiert. „Thanks, but I don´t bite.“ gibt er verlegen lächelnd wieder. Sie beugt sich zu ihm herunter. Sie stecken ihr Köpfe zusammen und er guckt so cool, wie ein Model aus einer Werbung für Urlaub auf einem eisigen Gletscher. Diese Assoziation weckt ebenso seine Augenfarbe bei mir. Geradezu wie das blaue, durchsichtige Eis eines Gletschers. Aber ich wiederhole mich. Vorsicht! Klebstoff.

Wiederholung = Klebstoff, die beste Methode Dinge in seinem Gedächtnis – auch seinem emotionalen – zu verankern.

Der Blitz ihres Handys blendet fast den ganzen Raum und nimmt ihm schlagartig die Gemütlichkeit. Als hätte das Foto dem Raum die Seele gestohlen. „Ei ähm so äxzeitett, eim goin to pohst mei selfie on Instagrämm. Sänk ju, Mister Wikström.“ Bedankt sie sich, wie  eine Untertänige, für die Audience bei Königin Silvia. Fehlt nur noch der Knicks. Wie albern. Einerseits.

Andererseits…ich bin geschockt. „Hey entschuldige bitte die Unterbrechung.“ sagt er mir zugewandt und auf mich konzentriert wirkend. “ Viele Deutsche haben eine so komische Aussprache. Das klingt lustig.“

„Hm?“ frage ich geistesabwesend nach, ohne wirklich die Antwort abzuwarten, da meine Großhirnrinde jetzt alle Synapsen gleichzeitig zu betätigen scheint. Alle Bilder von Prominenten werden jetzt abgerufen und verglichen mit dem Exemplar, das da vor mir zu sitzen scheint. Deswegen läuft der Rest von mir wie auf Autopilot. Er kam mir SCHON irgendwie bekannt vor. Aber vielleicht verwechsel ich das mit dem Gefühl der Vertrautheit.  Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen. Es ist mir jetzt irgendwie peinlich, dass ich ihn nicht zuordnen kann. Gerade so, wie wenn man einem Nachbarn auf der Straße begegnet und ihn irgendwie zu kennen scheint. Man merkt dann nur an SEINER Reaktion, dass man ihn kennt und grüßt höflich zurück. In diesem Moment fällt einem vielleicht ein, dass der Typ zwei Stockwerke unter einem wohnt. Aber der Name ist einem deswegen immer noch nicht bekannt.

Vielleicht habe ich ihn unbewusst schon einmal gesehen und DAHER kommt er mir bekannt vor. Ja, kann sein. Aber den Namen habe ich noch nie gehört. Meine Gedanken werden in diesem Moment herum gewirbelt. So, wie die Schneeflocken draußen, vom langsam stärker werdenden Sturm und den vielen kleinen Windrosen, ausgeliefert sind. So ausgeliefert fühle ich mich jetzt der Tatsache, dass mir Thore Wikström gegenüber sitzt.

Thore, der so aussieht, wie ich mir Thor aus den Germanischen Sagen  immer schon vorgestellt hatte.

Totaler Systemabsturz. Reboot.

Zumindest ist die Chance relativ gering, dass DIES ein Serienkiller ist. Bei seinem Bekanntheitsgrad. Ok, er ist kein Justin Bieber, der wohl derzeit allen Generationen bekannt sein wird. Aber immerhin wird er erkannt. „Warum wollte sie gebissen werden?“ oops, fragte ich das gerade laut?! Ich glaube, ich bin unter Schock und deswegen kann ich mein Sprachzentrum nicht mehr kontrollieren. Keine Zensur mehr vorhanden.

Er könnte jetzt auch denken, dass ich mit ihm hier nur sitzen will, weil er berühmt ist. Und wahrscheinlich setzt er voraus, dass ich ihn kenne. Ich bilde mir ein, dass er über meine Frage verwundert wirkt. Das lese ich anhand der nachdenklichen Mimik ab. Oh, ein schlechtes Zeichen, er verschränkt die Arme voreinander. „So, du kennst die Serie nicht, in der ich mitspiele? fragt er mit einem strengen Unterton, den man z.b. von Lehrern kennt. „So, sie wissen also nicht, was wir letzte Unterrichtsstunde durchgenommen hatten?!“ Nur, dass Thore Ironie mitklingen lässt. „Dann scheinen Vampir Stories nicht zu deinem Lieblingsgenre zu gehören, was?“

„Doch, durchaus. Aber ich besitze keinen Fernseher.“ Als er mich fragt, warum ich keinen Fernseher besitze, lasse ich mich dazu hinreißen einen gefühlt einstündigen Vortrag darüber zu halten, auf welche Thesen sich meine Antihaltung stützen. Dass ich nämlich der Meinung bin, dass die Menschen damit kontrolliert werden. Wissen wir, welchen subliminal Botschaften wir täglich ausgesetzt sind, nur durch die Glotze? Ich erzähle ihm von meiner Sucht nach Serien und dem Schlüssel-Erlebnis das ich hatte.

Es war, als ich durch die Straßen ging. Das war während der Zeit, in der ich mein Abi nachholte. Ich hätte eigentlich Hausaufgaben machen müssen. Telefonate von Freunden und Familie beantwortete ich zu der Zeit, in der die Serien liefen kategorisch nicht. Eine Bombe hätte neben mir einschlagen können. Ich wäre gestorben, grübelnd ob Lorelei und der grimmige Diner´s Besitzer Luke Danes zusammen kommen und zusammen passen. Ich war gezwungen mit dem Hund gassie zu gehen, also riss ich mich von der Berieselung kurz los. Es war schon dunkel draußen und es war ca. 20 Uhr. Überall aus den Zimmerfenstern leuchtete blaues, kühles, unregelmäßig flackerndes Licht. Der Fernseher lief offensichtlich. Ich ging an diesem Abend besonders lange spazieren. Vorbei an unzähligen blau flammenden Fenstern. Hinter denen Menschen saßen, die sich wie scheinbar massenhypnotisiert, vermutlich regungslos dem dumpfen Strahl des „Volksempfängers“ der Moderne und dessen genauso dumpfen Inhalten auslieferten. Ausgenommen Der Vampirserie, in der Thore mitspielte. Obwohl ich ja noch garnicht beurteilen konnte, ob die nicht auch total bescheuert war. Dass er darin mitwirkt, ist ja erstmal kein Gütesiegel Klasse A. Vielleicht spielt er ja auch echt schlecht?

Ich lasse sie voll raushängen, meine Verschwörungstheorie und scheine Thore damit zu amüsieren. „Warum lachst du?“ frage ich verunsichert. Ob er mich spätestens JETZT für ein bisschen bekloppt hält? „Ich lache, weil ich auch keinen Fernseher habe.“

Also du bist Schauspieler und hast keinen Fernseher? Und warum DU nicht?“ muss ich irritiert nachfragen, schlage meine Beine übereinander und schlürfe genüsslich an meiner heißen Schokolade, mit Schlagobers. „Ich habe dafür keine Zeit, zumindest nicht derzeit. Aber im Prinzip fühle ich mich nicht unterhalten, nicht stimuliert.

Nicht inspiriert.

Dazu ist mir meine Zeit zu kostbar. Da lese ich lieber ein gutes Buch oder treffe mich mit Freunden.“ erzählt er mir mitteilungsfreudig und erstaunt mich mit seiner Offenheit. Schließlich könnte ich ja auch ein irrer Fan sein. Schließlich könnte ich aus seiner Sicht auch eine Serienmörderin sein. Durch den Perspektivwechsel vollzieht sich ein Rollentausch. Also zumindest könnte ich ein Stalker sein. Ich weiß noch nicht, wie seine Offenheit bewerte. Eigentlich ist es toll, wenn jemand so offen und schier angstfrei zu sein scheint – ohne jegliche Berührungsängste. ABER, es ist auch leichtsinnig und naiv. So, wie ich. Also Naiv bin ich nicht. Aber leichtsinnig schon. Manchmal. Öfters. Manchmal oft. Ein bisschen Verstimmtheit kann ich in mir noch feststellen. Darüber, dass er mir nicht gleich gesagt hat, wer er ist. Dabei ist das völlig bescheuert! Ich begrüße ja auch nicht jeden mit „Hallo, ich bin Sara und Gesundheitspflegerin.“ Und, dass er Schauspieler ist, sagt mir ja noch lange nichts darüber aus, wer er ist. Es sagt mir lediglich, was er beruflich macht. Vielleicht sogar oder bestimmt sogar, was seine Berufung ist.

Plötzlich gibt es einen lauten, dumpfen Knall. Ich zucke zusammen und auch Thore dreht sich erschreckt um. „So ein Mist!“ flucht er auf Englisch. Ich kann den Knall erst garnicht zuordnen, sehe dann aber, dass der Tafelaufsteller vor dem Café gegen die Scheibe geworfen wurde. „Der Sturm hat an Stärke gewonnen.“ sagt er fast lyrisch bildlich. „Und was bedeutet das?“ frag ich mit ein wenig Unverständnis. „Dass ich nicht mehr auf meine Hütte komme.“ reibt er sich jetzt nachdenklich am Kinn. „Das Problem ist, dass keine Unterkunft jetzt noch ein freies Zimmer haben wird, da ja heute der Auftakt des Synchron Ski Weltmeister Dings stattfindet.“ wirkt er fast ein wenig beunruhigt. danach schweigt er wieder. SCHWEIGEN.

Lustig, auch er kann sich nicht merken, wie das Synchron Ski Dings heißt. Klasse, jetzt beginnt mein Hirn nach vermeintlichen Gemeinsamkeiten zu suchen, um zu belegen, dass wir zusammenpassen. Dies ist der Pseudogrund, den meine biochemische Schaltzentrale vorschiebt, um meine Ratio zu beruhigen und nicht den wahren Scham behafteten Grund dafür nennen zu müssen. Und der wahre Grund heißt „körperliche Anziehung“! Herzlichen Glückwunsch! Und als nächstes lässt es mich dann schonmal Möbel für unser gemeinsames Nest aussuchen. Angefangen bei einem Toaster, für unsere tolle, große Wohnküche, in der wir un all morgendlich begegnen würden um gemeinschaftlich, schweigend einen Kaffee zu trinken. Das heißt, wenn er soviel unterwegs ist, wird das mit ihm zusammen wohnen, ein wohl eher einsames Unterfangen. Moment welches Unterfangen?

Immernoch Schweigen. Ich frage mich, ob sein Schweigen eventuell ein an mich gerichteter Appell sein soll. Soll ich ihn jetzt etwa fragen, ob er  bei mir übernachten möchte? Er hat mir ja schließlich eine Vorlage gegeben.Vielleicht ist es aber von ihm auch garnicht als Vorlage gemeint? Eigentlich bin ich doch immer ein Meister darin, zu erkennen, was Menschen von mir wollen. Ich habe das Gefühl, er will, dass ich es ihm anbiete. Was soll er denn auch sonst machen? Wo soll er denn dann sonst schlafen? Schließlich kommt er ja nun nicht auf seine Hütte, weil er wegen mir noch hierher gekommen ist. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, das mir ein Alibi bietet, mutig zu sein und ihn zu fragen. Das wäre ja wohl galaktisch, wenn er bei mir…ich mein natürlich auf einer extra Liege. Die rau Gruber, der die Pension gehört, wird ja wohl noch ne olle Liege haben. Aber er ist ja eine Berühmtheit. Den kann ich doch nicht auf einer schäbigen Liege schlafen lassen. Aber wenn er so abenteuerlustig ist, auf einer Hütte, fast auf Gletscherhöhe zu urlauben, dann wird er sich damit ja wohl zufrieden geben.

„Would you“ beginne ich todesmutig meine Frage einzuleiten, während er zeitgleich „could I“ einsetzt. Wir müssen beide lachen. „You first“ lässt er mir den Vortritt und wedelt dabei so mit der Hand, wie jemand der sich mit wedelnder Hand verbeugt. Jetzt gibts kein Zurück mehr. Na und, fragen kostet nichts, mehr als nein sagen kann er nicht und schließlich will ich ihm ja nur helfen. Ich bin mir sicher, dass die Dame, die zuvor an unseren Tisch kam, ihm dieses Angebot wohl auch gern unterbreitet hätte.

Ich druckse herum „Ich mein, vielleicht möchtest du ja…also du könntest, wenn du woanders keine andere Möglichkeit findest…also weißt du, weil du ja quasie wegen mir hier sitzt. Also UND wegen des Sturms.“ ich pausiere und er hört mir amüsiert lächelnd zu. Es ist so ein Lächen, bei dem sich nur ein Mundwinkel nach oben hebt. Der andere behält cool seine Stellung. Er hilft mir aber auch kein Stück weiter! Kommt mir nicht einen Millimeter entgegen und lässt mich hier abschwitzen und herumdruckesn. Das macht mich jetzt wütend. Mit Wut im Nacken, bin ich mutiger. Wut macht Mut. Großzügig, schon fast großkotzig, biete ich ihm an „Wenn du möchtest, kannst du gern bei mir übernachten. Ich bin mir sicher Frau Gruber hat noch ein altes, klappriges, hartes Feldbett.“ hänge ich jetzt spaßig hinten ran, damit gleich klar ist, dass ich ich nicht so eine bin.

Er tut so überspitzt lustig, als käme mein Angebot ganz plötzlich und überraschend „Oh das ist so nett von dir, danke ich nehme dein Angebot gern an. Nein im Ernst, danke.“ bringt er seine ehrlich gemeinte Dankbarkeit zum Ausdruck.

Tja, das wäre dann das. Das wird ja ne anstrengende Nacht. Eine, in der ich versuchen muss, nicht zu pupsen, zu schnarchen und blendend auszusehen. Wann habe ich mir eigentlich das letzte Mal meine Beine rasiert? Is schon wieder n paar Tage her. Naja egal, ziehe ich lange Hosen an. Und meine Füße?! Oh nein, mein Nagellack ist nicht mehr frisch. Er sieht total abgeblättert aus. Egal, zieh eben Socken an und behaupt, dass ich immer kalte Füße hab, wenn er fragen sollte. Noch was? Check ich. Mein Zimmer? Das ist zum Glück nicht ganz so chaotisch. Vielleicht noch den einen oder anderen Strumpf und das eine oder andere angerotzte Taschentuch verschwinden lassen, so nebenbei und dann passt des scho´.

Oh Gott, hilf mir. Ich bin aufgeregt. Lass mich ruhig bleiben und im Jetzt und das jetzt einfach nur mal genießen können. Ich möchte den Menschen, der mich vorhin angerempelt hat, mit allen guten Sachen segnen. Beschenk ihn reichlich, lieber Gott. Schließlich habe ich ihm und dem Timing des Schicksals, wenn es sowas gibt, zu verdanken, dass ich jetzt eine solch spannende Begegnung habe. Dass ich auf einmal so gläubig bete, muss wohl mit den ganzen Kruzifixen zutun haben, die hier im stock katholischen Dorf überall plakativ herumhängen. Ach naja, irgendwie bin ich schon auch ein gläubiger Mensch, glaub ich.

Auf jeden Fall, wünsche ich mir jetzt Beistand von überirdischen Kräften, damit mich meine irdischen Kräfte nicht übermannen und zu Fall bringen. Jetzt muss ich an die toten Hosen denken. „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ Mut antrinken? Ne lieber nicht, dann hab ich mich ja noch weniger im Griff.  Die Unterhaltung stockt. „Und was spielst du noch so? Also ich  mein Rollen. Und spielst du auch Theater?“ löchere ich ihn nun. Vielleicht ist es ihm garnicht Recht von seiner Arbeit zu erzählen, wenn er hier ist, um abzuschalten. Ich werd auch nicht gern auf meine Arbeit angesprochen, wenn ich Urlaub hab. Tja, zu spät.

Er erzählt mir von einigen Filmprojekten, bei denen er mitwirkte und dass er auch Theater spielt. „Und kann man davon gut leben?“

„Naja, die Rollen liegen nicht auf der Straße und man muss sich jedesmal vielen Konkurrenten im Casting stellen und auch mal Absagen kassieren. Das gehört eben auch zum Job.“ Ich könnte ihm stundenlang zuhören. Vielleicht wird das ja was. Wer weiß, wann wir schlafen gehen. Vielleicht quatschen wir bis in die Morgenstunden, bei mir zuhause. Wünschen würde ich mir jedenfalls.

Fortsetzung folgt…©by soulstripShe

Neues Jahr, neues Glück – Teil 4 „Wunder gibt es…“

Nun bin ich schon eine Woche hier und habe schon dreimal gedacht, Thore gesehen zu haben. Pustekuchen. Fehlanzeige. Er geistert hier wie ein Phantom durch den kleinen Ort. Wie MEIN Phantom.

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Ich bin schlecht gelaunt! Deswegen schlurfe ich hier herum wie ein Miesmuffel. Typisch deutscher unhöflicher und roher „Piefke“, wie der Österreicher uns gern nennt. Naja, was soll´s. So unterscheide ich mich wenigstens nicht, von den durch die Straße latschenden Snowboardern. Die Snowboarder wären mit den Softstiefeln zwar in der Lage, jedoch zu cool um ihre Füße beim Gehen zu heben. Die Skifahrer hingegen müssen gehen wie Cool Jay´s mit den Hartstiefeln. Egal ob Hart -oder Softstiefel, diese Art zu gehen macht Geräusche. So ergibt sich eine ganz spezielle Geräuschkulisse, wie sie nur die Hauptstraße eines Skiortes haben kann.

Um mich in Ruhe in diesem Ort zu akklimatisieren, habe ich vor Beginn meines Praktikums extra eine Woche Urlaub eingeplant. Ich schlurfe also nicht nur schlecht gelaunt, sondern auch gelangweilt hier herum. Ach naja, was soll´s. Ich habe in meinem Leben derzeit eh keinen Platz für eine romantische Beziehung. Selbst mein Freundeskreis beschwert sich schon, dass sie mich so selten zu Gesicht bekommen.

Ich lebe nun schon seit 5 Jahren allein. Da gewöhnt man sich daran. Entwickelt immer mehr Eigenheiten wie, was zu sein und zu liegen hat. Wie voll der Wasserkocher gefüllt wird, wenn man nur eine Tasse Instant Kaffee brüht. In welcher Art und Weise man einen Lappen hinlegt, nachdem man die Arbeitsplatte damit abgewischt hat. Ich weiß, wo was liegt und finde es genauso wieder vor, wie ich es verließ. Keiner, über den ich mich ärgern muss, weil er Unordnung, in mein routiniertes System hineinbringt. Mit dem ich mich sicher fühle und das mir vorgaukelt, mein Leben unter Kontrolle zu haben.

Keiner, auf den ich nachts warte, wenn er später zu Bett kommt, um auch mal ein wenig Zeit für sich selbst gehabt zu haben. Keiner der auf mich wartet, weswegen ich das Gefühl habe, immer früher von Veranstaltungen zurückkommen zu müssen. Und überhaupt! Wenn Beziehung und zusammen wohnen, bin ich für getrennte Schlafzimmer.  Aber solange ich Single bin, genieße ich ; die Ruhe und Monotonie. Keine Eifersucht und damit einhergehendes Gefühl der Selbstdemütigung. Keine Abhängigkeit. Zumindest keine von Menschen. Was Genussmittel angeht, bin ich eher in der Gefahr die Kontrolle verlieren. Zu leicht versucht man oft die Leere zu füllen. Mit allerlei Ersatzmitteln, die sich der Gesellschaft in Europa so bieten.

Ich bin nach mehreren konventionellen Beziehungen sowieso der Meinung, alles sollte ganz anders sein.

Man sollte wie in einer WG zusammen wohnen und ab und zu miteinander schlafen. Man würde sich dann verabreden. Das Beisammensein wäre nicht selbstverständlich. Das Miteinanderschlafen auch nicht. Man hätte seinen eignen Rückzugsort. Wenn man sich gestritten hat, muss nicht einer von beiden entwürdigend auf die Couch umziehen, weil man die Nähe des anderen räumlich grad nicht aushält. Und es hat noch viele andere Vorzüge so zu leben, denke ich mir. Welcher Mann würde denn sowas mitmachen? Zumindest keiner von Denen, die ich während meines Single-Daseins kennenlernte. Nicht das DIES mein einziges Ausschlusskriterium sei. Die Liste ist noch viel länger.

Was ich allerdings auch gelernt habe, im Laufe meines bisherigen Liebeslebens: Wenn da einer kommt, der mir die Lichter ausschießt, dann werfe ich meist alle von mir aufgestellten „Sicherheits“ – Regeln über den Haufen. Dann setzt sich mein Bauch gegenüber dem Kopf durch. Oder heißt es des Kopfes? Genitiv, Dativ, Akku…egal! Zurück zu Inhaltlichem. Freud würde an dieser Stelle sagen „Das Individuum ist nicht ICH-stark. Es lässt sich vom ES regieren.“ Das Über-Ich hat dann nichts mehr zu melden. Der Teil, der die moralische Instanz darstellt. Der – „Dies und Jenes tut man nicht! Und schon garnicht so!“ – Teil in einem jedem. Drauf g´schisse, wie der Wiener mit seinem Schmäh jetzt sagen würde.

Was mir so alles durch den Kopf geht, während ich das bunte, geschäftige Treiben der Sportler, der Presse und der Autogrammjäger beobachte. Dieses Gewusel macht mich noch aggressiv, wenn ich mich hier nicht zurückziehe. Derzeit ist hier wirklich viel los. Obwohl die Straßen voll von Menschen sind, habe ich das Gefühl als sei alles leer. In mir und um mich herum. Wie eine Geisterstadt. Hier findet Synchron-Ski-Weltcup-Irgendwas statt. Da gibt es sogar eine Weltmeisterschaft. Ach naja, so genau blick ich hier noch nicht durch. Auf jeden Fall erklärt sich für mich jetzt dieser ganze Pressewirbel vom Bahnhof. Keine Promis im klassischen Sinne, sondern Sportler Promis.

Siegertreppchen Platz 1 =  A Promi

2. Platz = B Promi

und so fort…

Ein riesen Sportevent. Irgendwie geht mir der Sinn des Ganzen ab.

Wer ist denn eigentlich mal auf die Idee gekommen, Sportler zu interviewen? Wären sie gut darin, ihre Misserfolge sportlich positiv zu reden, wären sie wohl eher in der Politik gelandet.  Fotos von der Siegerpose, ok. Aber es werden ja auch interviewende Journalisten auf die Armen losgelassen.

„Ja gut ich mein..“ oder auch „Ja gut, ich sag mal so“ sind beliebte einleitende, antrainierte Phrasen, die ein

„Boris-Becker-Ähhhhhh“ vermeiden und den Satzbau flüssig wirken lassen sollen.

Letztendlich beschreibt der Sportler dann nochmal in seinem eigenen, zwar einstudierten, trotzdem ungelenken Sportjargon, den Hergang seiner Leistung oder seines Versagens. Wollte der Frage stellende Reporter doch mehr über das WARUM wissen.

Allerdings stellen manche Reporter aber auch echt blöde Fragen, muss man fairerweise dazu sagen. Aber was soll es, der Zuschauer will ja den Hype erleben, also werden vor und nach dem Wettkampf Sportler, wie Trainer in die Interview-Pflicht genommen. Das alles zwischen Sponsoren-Werbepausen, die vermutlich der eigentliche Grund für das elende In-die-Länge-Ziehen sind.

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Dann wird noch eine Showbühne im Übertragungsort aufgebaut, damit der Ort auch etwas davon hat. Hier treten dann mehr dritt-, bis zweitklassige mit Aprés-Ski Hits vergangener Jahre, aber mindestens ein Zugpferd – also ein erstklassiger Künstler, mit aktuellem Aprés Ski Hit auf. Das Alles führt wohl dazu, dass Sportler gezwungen sind, Spitzensportler zu werden. Sehe sich doch einmal einer die Fußballer von heute an. Damals waren sie sportlich, heute sehen die alle aus, wie Kampfmaschinen oder „der Terminator“ in Fleisch und Blut. Ohne Doping geht doch eh nichts mehr. Naja gut, nicht Alle sind gleich. Aber alle stehen unter Zugzwang, wenn mit unfairen Mitteln gekämpft wird. Vielleicht war DAS auch schon immer so, nur wurde nie darüber berichtet?

Ach, ist ja auch egal! Ich bin verstimmt. Vielleicht bekomm´ ich ja auch meine Tage?

Bei Terminator muss ich grad wieder an Thore denken. Ich hab ihn ja nicht stehen sehen, aber geschätzt an der Länge seiner Beine, die sich leicht muskulös in der Jeans abzeichneten, müsste er schon ziemlich groß sein.

Hach ja! Ich mag ja große Männer. Neben kleinen Männern fühle ich mich immer wie ´ne riesen Matrone. Da kann ja der kleine Mann nichts dafür. Und neben großen Männern, fühle ich mich immer klein und zierlich. Etwas, das ich nie war, außer vielleicht als Baby! Die anderen hatten schon immer Angst vor mir. Insbesondere Männer, da ich ja meist größer war, als der Klassendurchschnitt. Erst Recht dann, als ich sitzen blieb – in der 2. Klasse.

„Pass doch auf!“ fauche ich einen Autogrammjäger an. Rücksichtsloses, euphorisiertes, unzurechnungsfähiges Zombie-Pack denke ich mir, während ich geschockt über so viel Rücksichtslosigkeit, mit meinem Hintern direkt in einem der vielen Schneehaufen am Straßenrand zum Sitzen komme.

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Schön, dass der Schnee pappig und nass ist. So dann auch meine Hose, wenn ich gleich aufstehe. Mir schießt vor Wut und Scham die Röte ins Gesicht. Super, dass MIR das wieder passiert. Das bringt das Fass gleich zum Überlaufen. Gleich muss ich losheulen. Ich kriege BESTIMMT meine Tage! Anders kann ich mir diese emotionale Instabilität aufgrund einer solchen Lapalie nicht erklären. „Hey, denk dran, du wolltest postitiv denken! Neues Jahr, neues..“, „Ach hör bloß auf! Neues Jahr BLA BLA!“ entgegne ich mir selbst in meinem gedanklichen Monolog. Kann auch sein, dass ich das grad laut aussprach, so genau weiß ich es einen Augenblick später schon nicht mehr. Ist mir jetzt auch egal, wenn´s so wär´. Ich merke, wie mein Hals sich zuschnürt und sich darunter ein dicker Kloß ansammelt. In meinen Augen sammelt sich Tränenflüssigkeit. „Scheiße! Gleich heule ich los!“ Es ist wirklich ein Kreuz der Frau. Den Hormonen zu bestimmten Zeiten völlig unterworfen zu sein, wie der Mann. Bloß anders. Ich spüre, wie die Nässe, des Schnees durch das material meiner Hose dringt. Na super! Nun hab ich auch noch nen nassen Arsch. Wenn ich jetzt also aufstehe, verfolgt mich dieser Plumps in den Schneehaufen, bis ich die Tür meiner Unterkunft hinter mir geschlossen habe. Jetzt gerade wünsche ich mir, ich hätte mir doch einen langen Mantel und nicht die taillierte Jacke gekauft. Aber ich war doch so stolz darauf 30 Kilo abgenommen zu haben und endlich wieder meine Taille zeigen zu können. „Tja Sara, Hochmut kommt vor dem Fall!“ hackt mein Über-Ich auf mir herum.

Nun fahre ich schon kein Ski mehr, um nicht umgefahren zu werden und da haut´s mich HIER um. Mitten auf der Straße!

Während ich versuche mein Gesäß aus dem nassen, großen Schneematschhaufen zu erheben, werden mir von vorn zwei große, kratvolle aber doch auch schlanke Hände gereicht. Da ich vor Scham auf den Boden gesehen hatte, realisiere ich erst jetzt, dass diese Hände zu Thore gehören.

Natürlich! JETZT! Bitte lieber Gott JETZT DOCH NICHT! Ich komme mir gerade wirklich klein und hilflos vor. Wie ein, an der Laterne festgebundener Welpe im Regen. Nicht grad wie eine 30 Kilo leichtere Grazie. Er weiß ja auch nicht, dass ich vorher mehr wog. Mein Kopf und Gemüt haben diese Tatsache wohl auch noch nicht realisiert. Vorher hätte ich mich selbst aus dem Schneeberg gekämpft. Ich hätte mir nie die Blöße gegeben, Hilfe bei sowas anzunehmen. Ich bin zwar dick, aber trotzdem beweglich. Nun bin ich auch noch nicht so schlank, wie ich gern wäre, aber schlanker. Aber wann ist Frau schon mal SO schlank wie sie gern wäre!? Weswegen auch immer, ich fühle mich unsicher und weiß nicht so recht, wie ich mich verhalten soll.

WO WAR ER die ganze Woche, in den Momenten, in denen ich einfach blendend aussah. In denen ich mich lächelnd mit anderen unterhielt und hoffte, dass er mich irgendwie erspäht und mich so toll findet, dass er mein Lächeln und meine wehenden Haare in Zeitlupe wahrnimmt. Als er sich jetzt zu mir herunter beugt und mir lächelnd seine Hände reicht und strahlend „Hey do you need a hand?“ fragt, erlebe ICH nun alles wie in Zeitlupe. Während er mir aufhilft, fühle ich mich elektrisiert und so, als hätte plötzlich jemand das Licht angeknipst. Es wirkt so, als strengte ihn das garnicht an. Als sei ich leicht wie eine Feder.

Ich roch plötzlich den süßen Geruch von Glühwein und gebrannten Mandeln von den Eventhütten gegenüber. Irgendwie erschien mir das Licht Rosa. Ich hörte Musik in meinem Kopf „Wunder gibt es immer wieder..“ Katja Ebstein. Nicht der Idealtypische Song, dennoch passend. Obwohl, der nicht in meinem Kopf spielt, sondern als Soundcheck auf der Bühne eingespielt wird.

Die Situation ist schon wieder so peinlich, gleichzeitig toll und absurd, so unwirklich, dass ich einfach innerlich loslasse und zu lachen beginne. Die ganze Wut, die Unsicherheit, alles fällt irgendwie von mir ab. Der Kloß im Hals löst sich auf, ich fühle mich erleichtert, schniefe, während mir lachend eine Träne kullert.

Er hebt meine frisch gekaufte Papiertüte mit getrockneten Apfelringen auf. Meinen Tigel mit Ringelblumen Creme, der in der Straßenrinne vor sich hin kullert, sammelt er auch für mich ein. Nur gut, dass ich nicht grad Tampons einkaufen war, denke ich während des Hose trocken Rubbelns.Nicht, dass das was Schlimmes wäre, oder gar unrein, wie es in manchen Kulturen heißt. Aber manch einer leidet ja auch an „Zyklusphobie“ wie ich es immer nenne.
Eigentlich hab ich ihn fast garnicht erkannt, als er mit tief in die Stirn gezogener Mütze und hochgewickeltem Schal, quasie vermummt, vor mir steht. Aber irgendwie hatte ich ihn glaube ich, an seinen hellblauen Augen erkannt. Und er zog sich ja auch schnell seinen Schal zum Kinn herunter, sodass ich sein charmantes Lächeln wiedererkennen konnte.

Plötzlich fällt mir wieder ein, was ich an diesem Ort, zu dieser Jahreszeit so gern mag.

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Bin ein Naturromantiker. Ich mag die verschneiten Hänge und Tannen, die eingeschneiten Häuser und kleinen Hütten. Den knisternden Kamin, so man denn einen hat. Ich mag, nach einer langen Wanderung bei kalter Witterung, wenn mir abends die Muskeln schmerzen und meine Haut langsam zu kribbeln beginnt, weil sie von der Kälte schon taub war und jetzt wieder glüht. Wenn ich nur noch mein Unterhemd, die langen Unterhosen mit den dicken Wollsocken trage und mich in eine Kuscheldecke, an den Kamin setze und eine heiße Schokolade trinke. Ich kann dann hinausschauen aus dem Balkon, direkt ins das verschneite Tal und auf die beleuchtete Nacht-Ski Piste gegenüber. Kann den Nachtfahrern beim Slalom ziehen zusehen. Auch, wie bereits einige Planierraupen die Pisten für den nächsten Morgen präparieren.

So schön das zu-sich-selbst-kommen in solchen Momenten auch ist. Dennoch scheint mir gerade dieser perfekt dazu, ihn zu teilen, mit einem Menschen, den man mag, damit man sich einander noch näher fühlen kann.

Jetzt oder nie! „Danke Thore, wie wär es mit einer heißen Schokolade als kleines Dankeschön, für den Schneerettungseinsatz?“, höre ich mich auf Englisch sagen, ohne darüber nachgedacht zu haben. Ich habe extra seinen Namen genannt, um ihm zu signalisieren, dass ich mich an ihn erinnere! Das lernt man in jedem Rhetorikbuch.

Spontan fällt mir ein kleines, gemütliches Kaffeehäuschen in einer schmalen Seitengasse ein. Die Fensterscheiben, bei diesem Wetter leicht beschlagen. Das Kerzenlicht und das, der stoffbezogenen Wandlaternen, scheint immer so warm nach draußen. Beim Vorbeigehen entgeht einem nicht die Tortenvitrine, die mehrere Stockwerke mit unterschiedlichsten süßen Kuchen- und Tortengebilden aufweist. Die Menschen, die dort drinnen sitzen, mal Pärchen, mal einzelne, sehen in jedem Fall zufrieden aus. DAS wollte ich nun auch! Neues Jahr, neues Glück. Es steht mir zu. Schließlich sang Katja Ebstein mir Mut zu.

Ich kann garnichts dagegen tun, aber sofort kommt mir das Bild in den Kopf, wie ich mit Thore dort sitze. Es warm und trocken. Es duftet nach frisch gemahlenem und frisch gebrühtem Kaffee und nach ihm. Das einzige, das zwischen uns steht ist die Kerze, die sich in unseren Augen spiegelt. Heimlich aber doch bemerkt, berühren sich unter dem Tisch unsere Hände vorsichtig.

So, wie man eine zarte Pflanze streichelt, um sie respektvoll in dieser Welt willkommen zu heißen, damit sie besser gedeihen kann.

„Oh ehm“ druckste er rum. „Hey weißt Du, das ist wirklich nett von Dir…“ Mir ist, als wird mir schwarz vor Augen. Es klingt nach einem ABER.  Ich will es nicht zulassen. Glück gibt es nicht, Glück macht man!

„Und wenn ich darauf bestehe?“  unterbreche ich ihn mit meinem nettesten Lächeln, das ich habe.

– Oh man, jetzt trau ich mich ja was. Könnte für ganz schön aufdringlich gehalten werden. Aber so bin ich eben. Also nicht aufdringlich, aber draufgängerisch. Bleibt einem auch nichts anderes übrig, wenn man nicht DER Typ Frau ist, der von Männern angesprochen wird. Letztlich weiß ich nicht, warum sie mich nie ansprechen. Vielleicht die Größe? Vielleicht auch die Figur? Ein Großteil, sagen die Kommunikationspsychologen, läuft nonverbal. Also laut Watzlawick kann man nicht, nicht kommunizieren. Das heißt im Umkehrschluss, dass man immer kommuniziert. Sobald ein Empfänger, also eine andere Person, mit einem im Raum ist wird man zum Sender von Nachrichten, die der andere entschlüsselt. Hierbei kommt es mitunter zu fatalen Entschlüsselungsfehlern. Sogenannte Missverständnisse.

Also wird es an meiner Ausstrahlung liegen. Das, was ich ausstrahle oder auch aussende.  Wie ist denn meine Ausstrahlung? Was genau sende ich? Bestimmt ´ne Mischung aus unnahbar und zickig. Vielleicht auch zu selbstbewusst wirkend. Wie man sich eine Emanze vorstellt. Kompliziert auf jeden Fall.

Kompliziert = anstrengend!

Das Aussehen ist es meistens nicht. Auch wenn man im Kopf immer ein bestimmte Vorstellung von seinem Traumpartner hat. Oder einem bestimmten Beuteschema nachgeht, letztlich spielt das Aussehen die geringste Rolle für eine wirklich beständige und richtige Beziehung.

Ich hatte auch schon einen Partner, der nach klassischen Gesichtspunkten und meinen eigenen, nicht hübsch war. Aber als ich ihn dann näher kennenlernte und mit dem Mann zusammen war, war er für mich der Schönste aller Männer. Da hätte auch Alexander Skarsgård daneben stehen können. Den hätte ich vielleicht zur Kenntnis genommen. Aber er hätte mich nicht im Geringsten interessiert, geschweige denn berührt. – überschlagen sich meine Gedanken, bis ich unterbrochen werde.

„Also gut, wenn du darauf bestehst.“ wiederholt er übertrieben, nachäffend und schmunzelt dabei.

„Sollen wir?“ lenkt er ein, nachdem er kurz wachsam zu der Menschenmenge, aus Presse, Sportlern und Fans rüber sah. Er bietet mir seinen Arm an, in den ich mich einhaken soll. „Nicht, dass du wieder fällst!“ sagt er lachend. Hat er gerade zugesagt? Nun taumle ich vor Freude, sodass ich mich widerstandslos unter seinen Arm hake. Aus dem Schwarz vor Augen ist nun ein buntes Feuerwerk geworden, das mich auf dem ganzen Weg zur Kaffeestube begleitet. In meinem Kopf rieselt dass Blut spärlich, sodass ich die Situation immer noch nicht realisieren kann. Da sind sie wieder, die Schmetterlinge im Bauch. Jetzt bin ich innerlich so aufgeregt, dass ein Kaffee nicht gut wäre. Heiße Schokolade. Ja, DIE muss es jetzt sein. Beruhigt meine Nerven bestimmt.

Aufregend und unwirklich fühlt es sich an, so mit ihm nebeneinander zu gehen. Zusammen. Zu zweit. Schön. Ich genieße es. Jetzt! Und dass meine Hose am Po aussieht als hätte ich eine leichte Blasenschwäche, ist mir nun auch völlig egal. Wenn DAS dabei rausspringt, war es das auf jeden Fall Wert. Ich habe das Gefühl ein absolutes Glückskind zu sein. Ich mein, wie wahrscheinlich ist es, dass ER jetzt hier lang geht und mir auch noch aufhilft? Das heißt, ich bin ihm nicht egal. Und wie wahrscheinlich war es, dass er tatsächlich Ja sagt? Ich mein, sowas passiert doch nur in schnulzigen Liebesromanen, aber doch nicht im echten Leben – und dann auch noch MIR. Offensichtlich doch! Aber nicht zu früh freuen und locker bleiben. DOCH freuen und trotzdem locker bleiben:-) Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie das Gesetz der Anziehung oder Gott. Fakt ist, hätte ich nicht die Initiative ergriffen, wäre nichts daraus geworden. Bildlich gesprochen : Die Tür öffnete sich und ich ging hindurch.

Tja, wer hätte das gedacht! Katja Ebstein hatte Recht und ich auch. Neues Jahr, neues Glück!

Fortsetzung folgt…© by SoulstripShe

Neues Jahr, Neues Glück – Teil 3 „Thore´s Hammer“

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Wir plaudern  also kurz über das Wetter, der Zug fährt, der Schaffner kommt. Nachdem der Schaffner unsere Fahrkarten mit einem altmodischen Lochkartengerät entwertet hat, scheint es, als hätte er dies auch mit der Unterhaltung getan. Der Schaffner hat das Abteil verlassen und nun herrscht Schweigen. Verlegen lächle ich ihn an. Wenigstens lächelt er zurück. Naja, oder wir lächeln irgendwie zeitgleich. Wir müssten ja nun auch bald da sein. Also ich kann dieses Schweigen nicht aushalten, weiß aber auch nicht worüber ich mich mit ihm unterhalten soll. Mist! Ich bin so grottenschlecht im Smalltalk und im Flirten erst recht. Naja, nun  steckt er sich Kopfhörer ins Ohr und wischt irgendwas an seinem Smartphone herum.

Ich frage mich grad, woher er kommt. Er sieht auf jeden Fall nordisch aus. Aber hey, das hat nichts zu sagen, es gibt ja auch blonde Türken. Sein Englisch klingt astrein und vor allem flüssig. Nicht so stockend wie meins. Meist muss ich ersteinmal überlegen, bevor ich spreche. Ich suche nach den Vokabeln und überlege ob das jetzt in present tense oder past tense gesagt wird und worin noch gleich der Unterschied liegt. Entweder er kommt irgendwo aus den nordischen Ländern. Da sprechen die ja bekanntlich alle ziemlich fließend Englisch. Oder er lebt in England oder USA. Seine Aussprache klingt sehr amerikanisch angehaucht.

SUPER! Zum aus dem Fenster gucken ist es jetzt auch schon zu dunkel. Womit beschäftige ich mich jetzt? Am liebsten würde ich mir auch gern meine Musik weiter anhören und dabei anstatt der winterlichen Berglandschaft, seine markante Gesichtslandschaft, Mimik und Gestik studieren. Da er das wohl vermutlich für etwas aufdringlich halten könnte, entscheide ich mich doch dagegen und für die Disziplin. Ich hole mein Buch heraus „Siddhartha“ von Hermann Hesse. Dazu kann ich keine Musik hören, weil der Inhalt des Buches sehr gehaltvoll ist. Da muss ich mich konzentrieren.

Ich merke, wie meine Augen durch die Buchstabenzeilen wandern, in meinem Gehirn inhaltlich aber so rein garnichts ankommt. Aus den gelesenen Wörtern erschließt sich in dieser Situation absolut kein Sinn. Ich kann ihn atmen hören. Wenn man Kopfhörer trägt, merkt man nicht so sehr, was man im Außen für Geräusche produziert. Ich stelle mir seinen Atem in meinem Gesicht vor. Wie er wohl riecht oder schmeckt? Ich finde, jeder Mensch hat hat einen eignen Geruch, aber davon abgesehen gibt es auch Geruchsgruppen.

Es gibt die, die riechen, als hätten sie zu wenig getrunken und Fleisch gegessen. Dann gibt es noch die Raucher. Dann gibt es die, die nach frischem Gemüse oder Obst riechen. Und ich spreche hierbei von Gerüchen aus dem Mund. Da sind die Grüche, die der restliche Körper aussendet noch nicht inbegriffen. Aber meist kann ich schon allein am Atem feststellen, ob ich denjenigen gern küssen möchte. Und wenn ich ihn küssen möchte, passt er genetisch bestimmt zu mir. Naja, zumindest hatte ich mal irgendwo gelesen, dass man Menschen, die man gut riechen kann, auch sympatisch bis anziehend findet. Meine Theorie ist eher die, dass man diese Menschen sympatisch findet, WEIL sie für einen gut riechen. Und das steht bestimmt auch irgendwo von irgendwem Schlaues geschrieben.
Allerdings ist Genetik kein Ausschlusskriterium für Arschlöcher. Aber vielleicht werden ja alle erst bei MIR zum Arschloch. „Jetzt hör aber auf!“ spricht ein Teil meiner Selbst. „Hörst dich schon an, wie die Frauen, die sich selbst die Schuld dafür geben wenn ihr Mann sie schlägt.“ Und ich spreche hier nicht von dem neusten, neuerdings gesellschaftsfähigen soft SM Bestseller und der dort einvernehmlichen Gewalt.
Und es geht ja bei Gewalt in der Partnerschaft nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Mit Schuld komme ich nicht weit. Wenn ich aber davon ausgehe, dass jeder seinen Teil der Verantwortung für eine Situation in der Beziehung trägt, kann ich was daran ändern.
Ich verliebe mich vielleicht immer wieder in Männer, die gewalttätig sind. Und noch schlimmer, bleibe wie ein winselnder Hund bei ihnen in meiner „erlernten Hilflosigkeit (M.Seligmann), weil ich tief im Inneren glaube, dass ich sowas verdient habe. Dabei gibt es doch auch Männer, die nicht gewalttätig sind.
Und mir ist dann auch nicht klar, dass ich wieder einmal mehr nur Sklave meines Unterbewussten bin. Das bestrebt ist, bekannte Situationen immer wieder zu erschaffen.
Wie ein Regisseur wählt es die Kulisse und besetzt Rollen. Sobald etwas nicht stimmt, ruft es „cut“ und tauscht gegebenenfalls die Acteure nochmals. Außer mir. ICH spiele die Hauptrolle. Immer. Dabei sollte einem das bewusst sein. Aber auch wenn man jetzt in der Lage ist, die Arschlöcher zu erkennen, ist man noch lange nicht übern Berg. Denn trotzdem ist dieser Typ Mann dann immernoch aufregend und man verfällt ihm trotzdem noch eine Weile.
Wielang ist diese Weile?
Genau so lange nämlich, bis man sich selbst befördert hat und das Liebes-Stück als sein Autor umschreibt. Auch DIES würde vom Regisseur exakt umgesetzt werden. Ich liebe dieses Gleichnis für unsere Psyche.

Hach, jetzt wäre mir grad das Buch aus der Hand gefallen! Man! Plötzlich spricht er. Laut. Mit mir? Was hat er gesagt? Sowas wie Heisan? Nun redet er weiter auf…tja auf was eigentlich? Ha! Doch aus den nordischen Ländern. Aber ob das jetzt Norwegisch, Schwedisch oder Finnisch ist, vermag ich nicht zu differenzieren. Und ich dachte im allerersten Moment, er spricht mit mir. Kurz ging mein Herz wieder schneller. Jetzt fühlt es sich grad an, wie beim Intervalltraining. Voll Speed rennen und abbremsen um wieder langsam zu gehen.

Während er telefoniert guckt er mich an und macht eine Geste, die wohl soviel wie „Entschuldigung“ heißen soll. Dabei sieht er mein Buchcover. Für diesen Augenblick ist es so, als würde er so mit dem Anrufer telefonieren, wie ich mein Buch gelesen habe. Denn seine Mimik und Gestik ist jetzt grad für mich bestimmt. Er reißt die Augen auf, schiebt das Kinn nachvorne, was für mich übersetzt soviel heißt wie „Hey, sieh mal her, ich hab dir was mitzuteilen!“ Er zeigt auf mein Buch und hebt den Daumen. Ich übersetzte dies in „Super Buch! – habs gelesen. Oder auch „Kraaass, DAS liest du? Respekt, ich wollte es immer mal lesen, hab ich aber noch nicht.“ Nebenbei spricht er in sein Headset „Jaha…ju… förlåt? Jag mår bra, tack!“ Ich lächel ihn wieder an – verlegen natürlich und rätsele, was er wohl grad gesagt hat.

Warum bin ich denn verlegen? Ich glaube, bei soviel Mann schon doch eingschüchtert. Er hat so eine Art. Etwas souveränes. Selbst als er eben noch mit offener Kinnlade, völlig unbeeindruckt von meiner Gegenwart, vor sich hindöste. Umgekehrt muss es vielen Männern so gehen, wenn sie mich sehen. Ich habe schon einen ziemlich selbstbewussten Auftritt. Wenn der Mann dann als erstes durch meine Ausstrahlung eingeschüchtert ist, fühl ich mich noch stärker und schon ist der Mann nicht mehr ganz so sehr interessant für mich. Aber Männer, die sich durch mich nicht verunsichern lassen, verunsichern mich wiederum. Komisch ist das. Naja, es kann eben nur EINEN geben. Ist ja bei den Tieren auch so, von denen unterscheiden wir uns ja auch nur durch unsere Großhirnrinde. Das Denken. Zumindest einige wenige Exemplare der Menschheit sind in der Lage dazu. Der Rest scheint evolutionär irgendwo zwischen Steinzeit und Mittelalter stecken geblieben zu sein. Was die Moral angeht jedenfalls. Mit Moral meine ich jetzt auch nicht, das moralisierende Verbieten von Dingen. Sondern eher das Erkennen der Verantwortung für den eigenen Umgang mit unserem Planeten, zum Beispiel. Eigenes Handeln mit seinen Auswirkungen reflektieren zu können, ist eine Eigenschaft, die nicht Vielen vorbehalten zu sein scheint.

Genau so sollte das auch in einer Beziehung geschehen. Beide Partner sollten dazu in der Lage sein. Denn natürlich sollte eine Beziehung immer auf Augenhöhe sein, trotzdem gibt es da schon feine Abstufungen. Mal dominiert der eine, dann wieder der andere. Also jetzt grad, dominiert er die Situation. Hat bestimmt auch etwas mit meinem Selbstwertgefühl zutun. Ich denke ja meist bei attraktiven Männern, dass die an mir eh nicht interessiert sind, weil ich eben nicht aussehe wie ein Model. Wer tut das schon? Nicht mal ein Model sieht in ihrer Freizeit aus wie ein Model! Im Gegenteil. Der Großteil der Modelwelt rennt zwischen den Aufträgen rum wie ein Schlumpf. Und die anderen der Gesellschaft versuchen immer so auszusehen, wie ein Model während eines Shootings. Komisch irgendwie. Hey, vielleicht ist er ja auch ein Model? Er könnte eines sein. Er sieht wirklich gut aus. Also, interessant irgendwie.

Da wir jetzt 2014 haben und ich mir vornahm positiver zu denken, beschloss ich das ganze anders zu betrachten. Nämlich s: Wenn ich für Männer, die ich für sehr, sehr, sehr interessant halte, eh nicht interessant bin, dann muss ich ja auch keine Angst haben, mich falsch zu verhalten. Ich spiele dann ja garnicht mit, in der Liga. Dann ist es doch sowieso egal. Dann muss ich auch nicht verlegen sein. Er flirtet nicht. Er ist einfach nur nett. Dann kann ich ja so sein, wie ich eben bin. Große Klappe. Dann ist es egal, wenn ich ihn verschrecke, weil ich eh von Anfang an nicht in sein Beuteschema passte. Also, was mach ich  mir einen Kopf. Immer hübsch auf dem Teppich bleiben. Wäre da bloß nicht immer meine Hormone, die mir dazwischen funken!

Er findet es cool, dass ich dieses Buch lese und ich bin ihm nicht egal. Naja, vielleicht können wir ja doch noch kurz ins Gespräch kommen, bevor wir am Ziel ankommen. Jetzt kommt keine Station mehr davor, das heißt er fährt auch nach St. August. Die Chancen ihm dort zu begegnen sind groß, denn der Ort ist wirklich klein. Warum will ich das denn noch, wenn ich eh nicht für ihn Frage komme? Naja vielleicht ist es spaßig und wohltuend mit ihm befreundet zu sein.

Ich habe einige Männer, mit denen ich befreundet bin. Die männliche (analytische) Sichtweise, die meine verquirlten Gedanken wieder sortiert, tut mir meist gut.

Oh Mist, der Zug kommt gleich an. Wie kann ich ihn denn wiedersehen? Ich meine einen sicheren Weg, ihn wiederzusehen. Nicht dieses unsichere „nach-ihm-Ausschau-halten“. Zu glauben ihn um jede Ecke biegen zu sehen. Von hinten oder von der Seite glauben erkennen zu können, um dann bei genauerem Hinsehen doch nur wieder enttäuscht zu werden.

Ich habe es also nicht geschafft ein solches „Attachment“ aufzubauen, dass er mir seinen Namen verrät, meine Telefonnummer haben möchte und sich mit mir treffen will. Mist! Mist! Mist! STOP!!! Es ist ein neues Jahr. Ich wollte ja neue Synapsenkreise aufbauen. Neue Schaltkreise in meinem Hirn schaffen, neue Überzeugungen bilden. Ich bin interessant. Einfach so. UND ich habe Eindruck gemacht. Weil ich bin, wie ich bin. Und er ist zumindest schonmal nicht zurück geschreckt. Das ist doch gut. Und wenn ich ihn nicht wiedersehe dann habe ich mich jetzt wenigstens getraut ihn anzuquatschen – einen riesengroßen, erwachsenen Erwachsenen Vikinger.

Oh, er ist fertig mit telefonieren. Jetzt erklärt er sich rechtfertigend auf Englisch, dass er es selbst immer ein bisschen komisch findet, wenn die Leute, während des Telefonierens, in den Raum sprechen – aber eben nicht mit den dort Anwesenden. Vermutlich hatte ich demenstprechend irritiert drein geschaut, dass er sich jetzt dafür quasie entschuldigt. Na toll, jetzt bin ich wieder am überlegen, was ich ihm darauf möglichst charmant und gleichermaßen raffiniert entgegnen könnte. Leere. Ich lächle wieder einfach nur. “ Maaaaaan! Sara! Komm jetzt mal aus dir heraus“ brüllt ein Teil von mir, mich innerlich an. Nö, Nichts. Da kommt nichts. Er holt aus seiner Tasche eine Tüte Pfefferminz-Bonbons heraus. Ich zucke fast zusammen, als er sie mir freudestrahlend entgegenstreckt und mich fragt, ob ich auch einen möchte.

Meine Hand zittert beim Ausstrecken in die Tüte. Deswegen sind meine Bewegungen etwas ungelenk. Damit er das nicht merkt, huscht meine Hand flink wie eine Maus in die Tüte und ebenso wieder heraus. Ich bedanke mich , während meine Hand nach den Bonbons greift und ich hoffe, dass mir unterwegs zum Mund nichts herunterfällt. Ach nein, natürlich. Da ist es schon geschehen. Der Pfefferminz Drops flutscht mir aus der Hand und fällt auf den Boden. Fast zeitgleich beugen wir uns nun vorn über, so dass sich unsere Köpfe beinahe im Gang treffen. Er winkt ab und sagt „Please, let me!“ Mein Kopf ist jetzt eine Mischung aus Tomaten -und Purpur-Rot. Gekonnt schnipst er den Bonbon in den Mülleimer, der unter dem Klapptisch am Fenster angebracht ist.

Er lässt mich lachend nochmal hineingreifen und sagt dabei „Let´s give it another try!“. Lass ihn bloß nicht fallen, lass ihn bloß nicht fallen, lass ihn…geschafft. Im Mund. Der Drops ist gelutscht.

Plötzlich, als ich so lutsche strecke ich ihm meine Hand entgegen “ I´m Sara, by the way“. Er sagt darauf „Hi Sara, nice to meet you“.

Als er meine Hand greift und schüttelt, lächelt er und zwinkert mit einem Auge. Ich ziehe in Erwägung, dass er vermutlich eher Zuckungen hat, anstatt mir grad eben tatsächlich zugezwinkert zu haben. Denke ich so bei mir, als mir auffällt, dass ER MIR SEINEN Namen nicht sagte. Mutig, vielleicht von der Pfefferminz, frage ich nach „And you are?“, beiße mir, kaum dass ich es ausgesprochen hatte, wieder auf die Lippen. Aber mein innerer Entschuldiger, mein seelischer, innerer Mutmacher rechtfertigt nun mein forsches Vorgehen vor meiner inneren richterlichen Abteilung – dem Über-Ich. Wieso, er hat mir seinen Namen nicht verraten und das gehört sich ja nun nicht. Also das versteht sich doch von selbst, dass man die Namensinformation als QuitProQuo austauscht.

Als er jetzt aber kurz stutzt indem er die Augenbrauen runzelt, sein Kinn etwas in Richtung Brust zieht und sein Kopf etwas seitlich dreht beschleicht mich das Gefühl, dass ich doch sehrwohl etwas absolut Verbotenes und Unerhörtes getan habe. Wahrscheinlich habe ich jetzt grade wieder genau SO drein geschaut. Als er sagt „Oh ja sorry, I´m Thore!“

Ich nur  grinsend „Ah, ok. Thore hm? Well ya, nice to meet you too!“. Grinsend deswegen, weil ich ja zuvor das Gefühl hatte, wie von Thor´s Hammer getroffen worden zu sein, als ich Thore erblickte.

Amüsiert wie ich bin, bemerke ich garnicht, dass der Zug jetzt gerade in den Zielbahnhof einfährt. Glücklicherweise bin ich auch zu amüsiert, um mich darum zu sorgen, ob ich ihn wiedersehen werde.

Als ich es realisiere beschließe ich nochmal kurz zur Toilette zu gehen, da ich just in diesem Moment starken Harndrang verspüre. Da ich nicht weiß, wie weit weg sich die Pension mit meinen Schweren Koffern im Schlepptau anfühlt, flitze ich zur Toilette. Thore packt grad seinen Krempel zusammen während ich mich beeile , um mit ihm zusammen den Zug verlassen zu können. So hab ich vielleicht eine geringe Chance mit ihm zusammen noch ein Stückchen zu gehen und vielleicht sogar herausfinden, in welchem Hotel er wohnt, oder ob er eine bezaubernde Freundin hat, die ihn vom Bahnhof abholt. Auf dem engen Gang zur Toilette konnte ich ein Blitzlichtgewitter sehen. St.Anton war auch bei Prominenten ein beliebtes Urlaubsziel. Davon hatte ich bereits gehört, aber dass es so schlimm ist, hatte ich nicht gedacht. Ziemlich übertrieben dieser Reporterauflauf. Vor allen Dingen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass irgendein Promi hier tatsächlich mit der Schu Schu-Bahn ankommt. Dann doch wohl eher standesgemäß mit Flugzeug bis München oder Innsbruck und direkt weiter mit der Allrad-Limousine.

Ein Blick in den Toilettenspiegel verrät mir, ich hab mich verguckt. Meinen Augen leuchten verdächtig. Ach und nebenbei stelle ich fest, so schlecht sehe ich garnicht aus, nachdem oder vielleicht weil ich von Thor´s Hammer getroffen wurde.

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Mist, er ist nicht mehr hier, denke ich und ziehe einen Flunsch als ich zum Abteil zurück gekehrt bin. Dabei hatte ich mich doch so sehr beeilt!

Schlecht gelaunt kämpfe ich mich mit meinen zwei riesen Koffern an dem Fotografen-Pulk vorbei. Soviele Männer auf einen Haufen und keinen interessiert es, dass ich Hilfe beim Tragen gebrauchen könnte. Tja, die guten Manieren und eine zuvorkommende Art sind wohl der Emanzipation der Frau zum Opfer gefallen. Selbst ist die Frau. Dann mach ich meinen Scheiß eben allein. Wie immer. Aber wenn ich nur hilflos genug meine Koffer hinter mir herschleife und immer wieder stehenbleibe, wird sich wohl einer erbarmen. Das zumindest ist immer die Strategie einer guten Freundin. Schamlos speilt sie mit den Klischees und lässt die Hilflose raushängen.

Ein bisschen neugierig bin ich jetzt natürlich schon, wegen wem dieser Massenauflauf hier veranstaltet wird. Aber man kann nicht in das Auge des Blitzlicht-Tornados sehen. Zuviele Menschen. Jetzt grad bin ich auch einfach nur entmutigt und enttäuscht, dass ich Thore nicht mehr um mich habe und die Chancen auch nicht besonders hoch stehen, dass  ich ihn hier wiedersehe. Zuviele Menschen auf einen Haufen. Und selbst wenn. Ach, er hat sowieso bestimmt ne Freundin.

Ich entscheide mich, nicht die hilflose Masche abzuziehen und schleppe mein schweres Gepäck verstimmt zu meiner Pension. Ich kann nur soviel sagen – nur gut, dass ich vorher nochmal zur Toilette war. Der Weg ist beschwerlich. Es schneit. Doofer Schnee! Mir ist kalt. Ich will in mein Bett. Die Decke über den Kopf ziehen und nicht mehr aufstehen. Haben ja nicht lange gehalten, meine neuen Vorsätze für das neue Jahr, positive zu denken und zu fühlen. Mein Großhirn ist stärker. Für jetzt.

Ich schlafe ein, mit dem Hall seines Namens in meinen  Ohren „Thore“. Sein Bild verblasst langsam. Einzig der schwingende „Mjölnir“ – der Hammer des Thor von Asgard, dem Reich der Götter – zeichnet sich ganz deutlich vor meinem inneren Auge ab, bevor er mich trifft und ich einschlafe.

Fortsetzung folgt…. © by SoulstripShe