Neues Jahr, neues Glück – Teil 4 „Wunder gibt es…“

Nun bin ich schon eine Woche hier und habe schon dreimal gedacht, Thore gesehen zu haben. Pustekuchen. Fehlanzeige. Er geistert hier wie ein Phantom durch den kleinen Ort. Wie MEIN Phantom.

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Ich bin schlecht gelaunt! Deswegen schlurfe ich hier herum wie ein Miesmuffel. Typisch deutscher unhöflicher und roher „Piefke“, wie der Österreicher uns gern nennt. Naja, was soll´s. So unterscheide ich mich wenigstens nicht, von den durch die Straße latschenden Snowboardern. Die Snowboarder wären mit den Softstiefeln zwar in der Lage, jedoch zu cool um ihre Füße beim Gehen zu heben. Die Skifahrer hingegen müssen gehen wie Cool Jay´s mit den Hartstiefeln. Egal ob Hart -oder Softstiefel, diese Art zu gehen macht Geräusche. So ergibt sich eine ganz spezielle Geräuschkulisse, wie sie nur die Hauptstraße eines Skiortes haben kann.

Um mich in Ruhe in diesem Ort zu akklimatisieren, habe ich vor Beginn meines Praktikums extra eine Woche Urlaub eingeplant. Ich schlurfe also nicht nur schlecht gelaunt, sondern auch gelangweilt hier herum. Ach naja, was soll´s. Ich habe in meinem Leben derzeit eh keinen Platz für eine romantische Beziehung. Selbst mein Freundeskreis beschwert sich schon, dass sie mich so selten zu Gesicht bekommen.

Ich lebe nun schon seit 5 Jahren allein. Da gewöhnt man sich daran. Entwickelt immer mehr Eigenheiten wie, was zu sein und zu liegen hat. Wie voll der Wasserkocher gefüllt wird, wenn man nur eine Tasse Instant Kaffee brüht. In welcher Art und Weise man einen Lappen hinlegt, nachdem man die Arbeitsplatte damit abgewischt hat. Ich weiß, wo was liegt und finde es genauso wieder vor, wie ich es verließ. Keiner, über den ich mich ärgern muss, weil er Unordnung, in mein routiniertes System hineinbringt. Mit dem ich mich sicher fühle und das mir vorgaukelt, mein Leben unter Kontrolle zu haben.

Keiner, auf den ich nachts warte, wenn er später zu Bett kommt, um auch mal ein wenig Zeit für sich selbst gehabt zu haben. Keiner der auf mich wartet, weswegen ich das Gefühl habe, immer früher von Veranstaltungen zurückkommen zu müssen. Und überhaupt! Wenn Beziehung und zusammen wohnen, bin ich für getrennte Schlafzimmer.  Aber solange ich Single bin, genieße ich ; die Ruhe und Monotonie. Keine Eifersucht und damit einhergehendes Gefühl der Selbstdemütigung. Keine Abhängigkeit. Zumindest keine von Menschen. Was Genussmittel angeht, bin ich eher in der Gefahr die Kontrolle verlieren. Zu leicht versucht man oft die Leere zu füllen. Mit allerlei Ersatzmitteln, die sich der Gesellschaft in Europa so bieten.

Ich bin nach mehreren konventionellen Beziehungen sowieso der Meinung, alles sollte ganz anders sein.

Man sollte wie in einer WG zusammen wohnen und ab und zu miteinander schlafen. Man würde sich dann verabreden. Das Beisammensein wäre nicht selbstverständlich. Das Miteinanderschlafen auch nicht. Man hätte seinen eignen Rückzugsort. Wenn man sich gestritten hat, muss nicht einer von beiden entwürdigend auf die Couch umziehen, weil man die Nähe des anderen räumlich grad nicht aushält. Und es hat noch viele andere Vorzüge so zu leben, denke ich mir. Welcher Mann würde denn sowas mitmachen? Zumindest keiner von Denen, die ich während meines Single-Daseins kennenlernte. Nicht das DIES mein einziges Ausschlusskriterium sei. Die Liste ist noch viel länger.

Was ich allerdings auch gelernt habe, im Laufe meines bisherigen Liebeslebens: Wenn da einer kommt, der mir die Lichter ausschießt, dann werfe ich meist alle von mir aufgestellten „Sicherheits“ – Regeln über den Haufen. Dann setzt sich mein Bauch gegenüber dem Kopf durch. Oder heißt es des Kopfes? Genitiv, Dativ, Akku…egal! Zurück zu Inhaltlichem. Freud würde an dieser Stelle sagen „Das Individuum ist nicht ICH-stark. Es lässt sich vom ES regieren.“ Das Über-Ich hat dann nichts mehr zu melden. Der Teil, der die moralische Instanz darstellt. Der – „Dies und Jenes tut man nicht! Und schon garnicht so!“ – Teil in einem jedem. Drauf g´schisse, wie der Wiener mit seinem Schmäh jetzt sagen würde.

Was mir so alles durch den Kopf geht, während ich das bunte, geschäftige Treiben der Sportler, der Presse und der Autogrammjäger beobachte. Dieses Gewusel macht mich noch aggressiv, wenn ich mich hier nicht zurückziehe. Derzeit ist hier wirklich viel los. Obwohl die Straßen voll von Menschen sind, habe ich das Gefühl als sei alles leer. In mir und um mich herum. Wie eine Geisterstadt. Hier findet Synchron-Ski-Weltcup-Irgendwas statt. Da gibt es sogar eine Weltmeisterschaft. Ach naja, so genau blick ich hier noch nicht durch. Auf jeden Fall erklärt sich für mich jetzt dieser ganze Pressewirbel vom Bahnhof. Keine Promis im klassischen Sinne, sondern Sportler Promis.

Siegertreppchen Platz 1 =  A Promi

2. Platz = B Promi

und so fort…

Ein riesen Sportevent. Irgendwie geht mir der Sinn des Ganzen ab.

Wer ist denn eigentlich mal auf die Idee gekommen, Sportler zu interviewen? Wären sie gut darin, ihre Misserfolge sportlich positiv zu reden, wären sie wohl eher in der Politik gelandet.  Fotos von der Siegerpose, ok. Aber es werden ja auch interviewende Journalisten auf die Armen losgelassen.

„Ja gut ich mein..“ oder auch „Ja gut, ich sag mal so“ sind beliebte einleitende, antrainierte Phrasen, die ein

„Boris-Becker-Ähhhhhh“ vermeiden und den Satzbau flüssig wirken lassen sollen.

Letztendlich beschreibt der Sportler dann nochmal in seinem eigenen, zwar einstudierten, trotzdem ungelenken Sportjargon, den Hergang seiner Leistung oder seines Versagens. Wollte der Frage stellende Reporter doch mehr über das WARUM wissen.

Allerdings stellen manche Reporter aber auch echt blöde Fragen, muss man fairerweise dazu sagen. Aber was soll es, der Zuschauer will ja den Hype erleben, also werden vor und nach dem Wettkampf Sportler, wie Trainer in die Interview-Pflicht genommen. Das alles zwischen Sponsoren-Werbepausen, die vermutlich der eigentliche Grund für das elende In-die-Länge-Ziehen sind.

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Dann wird noch eine Showbühne im Übertragungsort aufgebaut, damit der Ort auch etwas davon hat. Hier treten dann mehr dritt-, bis zweitklassige mit Aprés-Ski Hits vergangener Jahre, aber mindestens ein Zugpferd – also ein erstklassiger Künstler, mit aktuellem Aprés Ski Hit auf. Das Alles führt wohl dazu, dass Sportler gezwungen sind, Spitzensportler zu werden. Sehe sich doch einmal einer die Fußballer von heute an. Damals waren sie sportlich, heute sehen die alle aus, wie Kampfmaschinen oder „der Terminator“ in Fleisch und Blut. Ohne Doping geht doch eh nichts mehr. Naja gut, nicht Alle sind gleich. Aber alle stehen unter Zugzwang, wenn mit unfairen Mitteln gekämpft wird. Vielleicht war DAS auch schon immer so, nur wurde nie darüber berichtet?

Ach, ist ja auch egal! Ich bin verstimmt. Vielleicht bekomm´ ich ja auch meine Tage?

Bei Terminator muss ich grad wieder an Thore denken. Ich hab ihn ja nicht stehen sehen, aber geschätzt an der Länge seiner Beine, die sich leicht muskulös in der Jeans abzeichneten, müsste er schon ziemlich groß sein.

Hach ja! Ich mag ja große Männer. Neben kleinen Männern fühle ich mich immer wie ´ne riesen Matrone. Da kann ja der kleine Mann nichts dafür. Und neben großen Männern, fühle ich mich immer klein und zierlich. Etwas, das ich nie war, außer vielleicht als Baby! Die anderen hatten schon immer Angst vor mir. Insbesondere Männer, da ich ja meist größer war, als der Klassendurchschnitt. Erst Recht dann, als ich sitzen blieb – in der 2. Klasse.

„Pass doch auf!“ fauche ich einen Autogrammjäger an. Rücksichtsloses, euphorisiertes, unzurechnungsfähiges Zombie-Pack denke ich mir, während ich geschockt über so viel Rücksichtslosigkeit, mit meinem Hintern direkt in einem der vielen Schneehaufen am Straßenrand zum Sitzen komme.

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Schön, dass der Schnee pappig und nass ist. So dann auch meine Hose, wenn ich gleich aufstehe. Mir schießt vor Wut und Scham die Röte ins Gesicht. Super, dass MIR das wieder passiert. Das bringt das Fass gleich zum Überlaufen. Gleich muss ich losheulen. Ich kriege BESTIMMT meine Tage! Anders kann ich mir diese emotionale Instabilität aufgrund einer solchen Lapalie nicht erklären. „Hey, denk dran, du wolltest postitiv denken! Neues Jahr, neues..“, „Ach hör bloß auf! Neues Jahr BLA BLA!“ entgegne ich mir selbst in meinem gedanklichen Monolog. Kann auch sein, dass ich das grad laut aussprach, so genau weiß ich es einen Augenblick später schon nicht mehr. Ist mir jetzt auch egal, wenn´s so wär´. Ich merke, wie mein Hals sich zuschnürt und sich darunter ein dicker Kloß ansammelt. In meinen Augen sammelt sich Tränenflüssigkeit. „Scheiße! Gleich heule ich los!“ Es ist wirklich ein Kreuz der Frau. Den Hormonen zu bestimmten Zeiten völlig unterworfen zu sein, wie der Mann. Bloß anders. Ich spüre, wie die Nässe, des Schnees durch das material meiner Hose dringt. Na super! Nun hab ich auch noch nen nassen Arsch. Wenn ich jetzt also aufstehe, verfolgt mich dieser Plumps in den Schneehaufen, bis ich die Tür meiner Unterkunft hinter mir geschlossen habe. Jetzt gerade wünsche ich mir, ich hätte mir doch einen langen Mantel und nicht die taillierte Jacke gekauft. Aber ich war doch so stolz darauf 30 Kilo abgenommen zu haben und endlich wieder meine Taille zeigen zu können. „Tja Sara, Hochmut kommt vor dem Fall!“ hackt mein Über-Ich auf mir herum.

Nun fahre ich schon kein Ski mehr, um nicht umgefahren zu werden und da haut´s mich HIER um. Mitten auf der Straße!

Während ich versuche mein Gesäß aus dem nassen, großen Schneematschhaufen zu erheben, werden mir von vorn zwei große, kratvolle aber doch auch schlanke Hände gereicht. Da ich vor Scham auf den Boden gesehen hatte, realisiere ich erst jetzt, dass diese Hände zu Thore gehören.

Natürlich! JETZT! Bitte lieber Gott JETZT DOCH NICHT! Ich komme mir gerade wirklich klein und hilflos vor. Wie ein, an der Laterne festgebundener Welpe im Regen. Nicht grad wie eine 30 Kilo leichtere Grazie. Er weiß ja auch nicht, dass ich vorher mehr wog. Mein Kopf und Gemüt haben diese Tatsache wohl auch noch nicht realisiert. Vorher hätte ich mich selbst aus dem Schneeberg gekämpft. Ich hätte mir nie die Blöße gegeben, Hilfe bei sowas anzunehmen. Ich bin zwar dick, aber trotzdem beweglich. Nun bin ich auch noch nicht so schlank, wie ich gern wäre, aber schlanker. Aber wann ist Frau schon mal SO schlank wie sie gern wäre!? Weswegen auch immer, ich fühle mich unsicher und weiß nicht so recht, wie ich mich verhalten soll.

WO WAR ER die ganze Woche, in den Momenten, in denen ich einfach blendend aussah. In denen ich mich lächelnd mit anderen unterhielt und hoffte, dass er mich irgendwie erspäht und mich so toll findet, dass er mein Lächeln und meine wehenden Haare in Zeitlupe wahrnimmt. Als er sich jetzt zu mir herunter beugt und mir lächelnd seine Hände reicht und strahlend „Hey do you need a hand?“ fragt, erlebe ICH nun alles wie in Zeitlupe. Während er mir aufhilft, fühle ich mich elektrisiert und so, als hätte plötzlich jemand das Licht angeknipst. Es wirkt so, als strengte ihn das garnicht an. Als sei ich leicht wie eine Feder.

Ich roch plötzlich den süßen Geruch von Glühwein und gebrannten Mandeln von den Eventhütten gegenüber. Irgendwie erschien mir das Licht Rosa. Ich hörte Musik in meinem Kopf „Wunder gibt es immer wieder..“ Katja Ebstein. Nicht der Idealtypische Song, dennoch passend. Obwohl, der nicht in meinem Kopf spielt, sondern als Soundcheck auf der Bühne eingespielt wird.

Die Situation ist schon wieder so peinlich, gleichzeitig toll und absurd, so unwirklich, dass ich einfach innerlich loslasse und zu lachen beginne. Die ganze Wut, die Unsicherheit, alles fällt irgendwie von mir ab. Der Kloß im Hals löst sich auf, ich fühle mich erleichtert, schniefe, während mir lachend eine Träne kullert.

Er hebt meine frisch gekaufte Papiertüte mit getrockneten Apfelringen auf. Meinen Tigel mit Ringelblumen Creme, der in der Straßenrinne vor sich hin kullert, sammelt er auch für mich ein. Nur gut, dass ich nicht grad Tampons einkaufen war, denke ich während des Hose trocken Rubbelns.Nicht, dass das was Schlimmes wäre, oder gar unrein, wie es in manchen Kulturen heißt. Aber manch einer leidet ja auch an „Zyklusphobie“ wie ich es immer nenne.
Eigentlich hab ich ihn fast garnicht erkannt, als er mit tief in die Stirn gezogener Mütze und hochgewickeltem Schal, quasie vermummt, vor mir steht. Aber irgendwie hatte ich ihn glaube ich, an seinen hellblauen Augen erkannt. Und er zog sich ja auch schnell seinen Schal zum Kinn herunter, sodass ich sein charmantes Lächeln wiedererkennen konnte.

Plötzlich fällt mir wieder ein, was ich an diesem Ort, zu dieser Jahreszeit so gern mag.

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Bin ein Naturromantiker. Ich mag die verschneiten Hänge und Tannen, die eingeschneiten Häuser und kleinen Hütten. Den knisternden Kamin, so man denn einen hat. Ich mag, nach einer langen Wanderung bei kalter Witterung, wenn mir abends die Muskeln schmerzen und meine Haut langsam zu kribbeln beginnt, weil sie von der Kälte schon taub war und jetzt wieder glüht. Wenn ich nur noch mein Unterhemd, die langen Unterhosen mit den dicken Wollsocken trage und mich in eine Kuscheldecke, an den Kamin setze und eine heiße Schokolade trinke. Ich kann dann hinausschauen aus dem Balkon, direkt ins das verschneite Tal und auf die beleuchtete Nacht-Ski Piste gegenüber. Kann den Nachtfahrern beim Slalom ziehen zusehen. Auch, wie bereits einige Planierraupen die Pisten für den nächsten Morgen präparieren.

So schön das zu-sich-selbst-kommen in solchen Momenten auch ist. Dennoch scheint mir gerade dieser perfekt dazu, ihn zu teilen, mit einem Menschen, den man mag, damit man sich einander noch näher fühlen kann.

Jetzt oder nie! „Danke Thore, wie wär es mit einer heißen Schokolade als kleines Dankeschön, für den Schneerettungseinsatz?“, höre ich mich auf Englisch sagen, ohne darüber nachgedacht zu haben. Ich habe extra seinen Namen genannt, um ihm zu signalisieren, dass ich mich an ihn erinnere! Das lernt man in jedem Rhetorikbuch.

Spontan fällt mir ein kleines, gemütliches Kaffeehäuschen in einer schmalen Seitengasse ein. Die Fensterscheiben, bei diesem Wetter leicht beschlagen. Das Kerzenlicht und das, der stoffbezogenen Wandlaternen, scheint immer so warm nach draußen. Beim Vorbeigehen entgeht einem nicht die Tortenvitrine, die mehrere Stockwerke mit unterschiedlichsten süßen Kuchen- und Tortengebilden aufweist. Die Menschen, die dort drinnen sitzen, mal Pärchen, mal einzelne, sehen in jedem Fall zufrieden aus. DAS wollte ich nun auch! Neues Jahr, neues Glück. Es steht mir zu. Schließlich sang Katja Ebstein mir Mut zu.

Ich kann garnichts dagegen tun, aber sofort kommt mir das Bild in den Kopf, wie ich mit Thore dort sitze. Es warm und trocken. Es duftet nach frisch gemahlenem und frisch gebrühtem Kaffee und nach ihm. Das einzige, das zwischen uns steht ist die Kerze, die sich in unseren Augen spiegelt. Heimlich aber doch bemerkt, berühren sich unter dem Tisch unsere Hände vorsichtig.

So, wie man eine zarte Pflanze streichelt, um sie respektvoll in dieser Welt willkommen zu heißen, damit sie besser gedeihen kann.

„Oh ehm“ druckste er rum. „Hey weißt Du, das ist wirklich nett von Dir…“ Mir ist, als wird mir schwarz vor Augen. Es klingt nach einem ABER.  Ich will es nicht zulassen. Glück gibt es nicht, Glück macht man!

„Und wenn ich darauf bestehe?“  unterbreche ich ihn mit meinem nettesten Lächeln, das ich habe.

– Oh man, jetzt trau ich mich ja was. Könnte für ganz schön aufdringlich gehalten werden. Aber so bin ich eben. Also nicht aufdringlich, aber draufgängerisch. Bleibt einem auch nichts anderes übrig, wenn man nicht DER Typ Frau ist, der von Männern angesprochen wird. Letztlich weiß ich nicht, warum sie mich nie ansprechen. Vielleicht die Größe? Vielleicht auch die Figur? Ein Großteil, sagen die Kommunikationspsychologen, läuft nonverbal. Also laut Watzlawick kann man nicht, nicht kommunizieren. Das heißt im Umkehrschluss, dass man immer kommuniziert. Sobald ein Empfänger, also eine andere Person, mit einem im Raum ist wird man zum Sender von Nachrichten, die der andere entschlüsselt. Hierbei kommt es mitunter zu fatalen Entschlüsselungsfehlern. Sogenannte Missverständnisse.

Also wird es an meiner Ausstrahlung liegen. Das, was ich ausstrahle oder auch aussende.  Wie ist denn meine Ausstrahlung? Was genau sende ich? Bestimmt ´ne Mischung aus unnahbar und zickig. Vielleicht auch zu selbstbewusst wirkend. Wie man sich eine Emanze vorstellt. Kompliziert auf jeden Fall.

Kompliziert = anstrengend!

Das Aussehen ist es meistens nicht. Auch wenn man im Kopf immer ein bestimmte Vorstellung von seinem Traumpartner hat. Oder einem bestimmten Beuteschema nachgeht, letztlich spielt das Aussehen die geringste Rolle für eine wirklich beständige und richtige Beziehung.

Ich hatte auch schon einen Partner, der nach klassischen Gesichtspunkten und meinen eigenen, nicht hübsch war. Aber als ich ihn dann näher kennenlernte und mit dem Mann zusammen war, war er für mich der Schönste aller Männer. Da hätte auch Alexander Skarsgård daneben stehen können. Den hätte ich vielleicht zur Kenntnis genommen. Aber er hätte mich nicht im Geringsten interessiert, geschweige denn berührt. – überschlagen sich meine Gedanken, bis ich unterbrochen werde.

„Also gut, wenn du darauf bestehst.“ wiederholt er übertrieben, nachäffend und schmunzelt dabei.

„Sollen wir?“ lenkt er ein, nachdem er kurz wachsam zu der Menschenmenge, aus Presse, Sportlern und Fans rüber sah. Er bietet mir seinen Arm an, in den ich mich einhaken soll. „Nicht, dass du wieder fällst!“ sagt er lachend. Hat er gerade zugesagt? Nun taumle ich vor Freude, sodass ich mich widerstandslos unter seinen Arm hake. Aus dem Schwarz vor Augen ist nun ein buntes Feuerwerk geworden, das mich auf dem ganzen Weg zur Kaffeestube begleitet. In meinem Kopf rieselt dass Blut spärlich, sodass ich die Situation immer noch nicht realisieren kann. Da sind sie wieder, die Schmetterlinge im Bauch. Jetzt bin ich innerlich so aufgeregt, dass ein Kaffee nicht gut wäre. Heiße Schokolade. Ja, DIE muss es jetzt sein. Beruhigt meine Nerven bestimmt.

Aufregend und unwirklich fühlt es sich an, so mit ihm nebeneinander zu gehen. Zusammen. Zu zweit. Schön. Ich genieße es. Jetzt! Und dass meine Hose am Po aussieht als hätte ich eine leichte Blasenschwäche, ist mir nun auch völlig egal. Wenn DAS dabei rausspringt, war es das auf jeden Fall Wert. Ich habe das Gefühl ein absolutes Glückskind zu sein. Ich mein, wie wahrscheinlich ist es, dass ER jetzt hier lang geht und mir auch noch aufhilft? Das heißt, ich bin ihm nicht egal. Und wie wahrscheinlich war es, dass er tatsächlich Ja sagt? Ich mein, sowas passiert doch nur in schnulzigen Liebesromanen, aber doch nicht im echten Leben – und dann auch noch MIR. Offensichtlich doch! Aber nicht zu früh freuen und locker bleiben. DOCH freuen und trotzdem locker bleiben:-) Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie das Gesetz der Anziehung oder Gott. Fakt ist, hätte ich nicht die Initiative ergriffen, wäre nichts daraus geworden. Bildlich gesprochen : Die Tür öffnete sich und ich ging hindurch.

Tja, wer hätte das gedacht! Katja Ebstein hatte Recht und ich auch. Neues Jahr, neues Glück!

Fortsetzung folgt…© by SoulstripShe

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